https://www.faz.net/-gpf-upii

Kommentar zum G-8-Gipfel : Überraschungen in Heiligendamm

Beiden war klar: Dogmatismus führt nicht zum Erfolg - Merkel und Bush in Heiligendamm Bild: ddp

Das Ergebnis des G-8-Gipfels kann sich sehen lassen, meint Klaus-Dieter Frankenberger. Putin schlägt Bush eine gemeinsame Raketenabwehr vor. Und Washington will sogar dabei mitmachen, den Ausstoß der Treibhausgase bis 2050 zu halbieren. Was ist bloß mit Bush geschehen?

          1 Min.

          Die Ostseeluft wirkt offenbar entspannend, jedenfalls auf diejenigen hinter dem Zaum. Denn es kommt mindestens einer rhetorischen Deeskalation gleich, was der russische Präsident dem amerikanischen Präsidenten vorgeschlagen hat. Eine gemeinsam zu betreibende Radaranlage in Aserbaidschan soll an die Stelle des von Moskau so wild und drohend bekämpften Raketenabwehrschilds Washingtons in Mitteleuropa treten.

          Von den technischen Einzelheiten und von der Kommandofrage abgesehen, ist die Überraschung groß: Hatte nicht Putin bisher die Gefahr einer Bedrohung durch Raketen aus Staaten vom Kaliber Irans rundheraus bestritten und wider besseres Wissen behauptet, ein solcher Schild würde Russlands strategische Lage einschneidend verändern? Aber offenkundig musste er der wiederholten Einladung Bushs, der im Übrigen den wachsenden Autoritarismus des Kreml vergleichsweise milde kritisiert hat, etwas Positives entgegensetzen. Putin hat sich verkalkuliert: So richtig ist es ihm nicht gelungen, mit dem Thema Raketenabwehr einen Keil zwischen Europa und Amerika zu treiben.

          Was ist bloß mit Bush geschehen?

          Aber das ist nicht die einzige „gute“ Nachricht von Gipfeltreffen der acht in Heiligendamm: Es gibt sogar eine Einigung in der Klimapolitik. Bis zum Jahr 2050 soll der Ausstoß der Treibhausgase halbiert werden. Auch der störrische amerikanische Präsident will bei diesem fernen Ziel mitmachen; und er will die Afrika-Hilfe um 30 Milliarden Dollar erhöhen. Was ist bloß mit Bush geschehen? War es der Einfluss der Kanzlerin, der ihn einlenken ließ?

          Ein wegweisender Gipfel: Putin (v.l.), Merkel und der japanische Premierminister Abe am Strand

          Die Antwort ist einfach: Weder wollte Bush, der schon zuvor in die Offensive gegangen war und dessen Afrika-Politik vernünftiger ist, als das hierzulande zugegeben wird, Frau Merkel einen Erfolg verbauen - die enge Zusammenarbeit mit Berlin ist der Eckstein seiner Europa-Politik -, noch konnte und wollte sich die Kanzlerin der Wirklichkeit entziehen: Ohne Mitwirkung Amerikas und der Aufsteigerländer, der großen Schadstoffproduzenten von heute und morgen, kann die Erderwärmung nicht auf das Maß begrenzt werden, das sie und die EU für akzeptabel halten. Also muss man Brücken bauen und akzeptieren, dass angesichts unterschiedlicher Perspektiven und Interessen Dogmatismus nicht zum Erfolg führt. Dieses Ergebnis von Heiligendamm kann sich sehen lassen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Das steht im Klimapaket der Bundesregierung Video-Seite öffnen

          Neue Gesetze : Das steht im Klimapaket der Bundesregierung

          Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat vor den Delegierten der UN-Klimakonferenz das Klimapaket als wesentlichen Beitrag zum Kampf gegen die Erderwärmung präsentiert. Deutschland stelle damit sicher, dass es sein Klimaziel für das Jahr 2030 erreiche.

          „Amerika ist noch dabei“

          Bloomberg und Ford in Madrid : „Amerika ist noch dabei“

          Gegen die Klimapolitik Donald Trumps: Der demokratische Präsidentschaftsbewerber und Milliardär Michael Bloomberg und der Schauspieler Harrison Ford haben den Kurs des Präsidenten scharf kritisiert.

          Topmeldungen

          Zwei große Mächte im Welthandel: US-Präsident Donald Trump (links) fasst sich an die Jacke, während er für ein Foto mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping am Rande des G-20-Gipfels in Osaka posiert.

          Trumps Blockade : Schwerer Schlag für den Welthandel

          Donald Trump legt das Instrument zur Streitschlichtung der Welthandelsorganisation lahm. Die EU-Kommission sucht noch nach einer Lösung, um die Blockade zu umgehen.
          Präsidenten Macron und Putin in Paris

          Ukraine-Gipfel in Paris : Die Folgen der Inkonsequenz

          Auf dem Pariser Gipfel ging es nicht nur um den russisch-ukrainischen Konflikt. Sondern auch darum, mit welchen Botschaften der Westen dem russischen Regime entgegentritt. Putin spielt auf Zeit – und der Westen setzt ihm kaum etwas entgegen.

          Trauer um Roxette-Star Fredriksson : „Danke Marie“

          An ihrer Stimme kam in den 90er Jahren niemand vorbei, sie war das Gesicht von Roxette: Marie Fredriksson ist früh gestorben – die Trauer bei den Fans ist groß. Und auch ihr Band-Partner nimmt Abschied von einer ganz besonderen Freundin.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.