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Kommentar : Gaucks Realitätssinn

18 Jahre sind seit dem letzten Besuch eines Bundespräsidenten im Weißen Haus vergangen. Ein Zeichen der Gleichgültigkeit? Hoffentlich nicht, denn das können wir uns gerade jetzt nicht leisten.

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          Man glaubt es nicht, und doch passt es zur Feststellung, dass „wir das transatlantische Verhältnis zuletzt nicht so sorgsam behandelt haben wie notwendig“: Seit dem letzten Besuch eines Bundespräsidenten im Weißen Haus und dem von Joachim Gauck an diesem Mittwoch sind sage und schreibe 18 Jahre vergangen!

          Selbst wenn Gaucks Klage den aktuellen Kontroversen galt, von denen einige unvermeidlich, andere überflüssig, wieder andere hochgespielt sind, so spricht aus dem langen Besuchsintervall eine fahrlässige Gleichgültigkeit. Gleichgültig jedoch dürfen sich die atlantischen Partner nicht sein, nicht in einer Welt, die aus den Fugen gerät und in der es nicht viele ordnungsstiftende Kräfte gibt.

          Amerikaner und Deutsche, Amerikaner und Europäer brauchen einander heute nicht weniger als während des Kalten Krieges, und zwar wegen der höchst unübersichtlichen Weltlage, der unheimlichen Vielfalt der Krisen und der Vielzahl neuer Bedrohungen. Aus Gaucks Hinweis, dass die Nato die Vorbedingung für eine Existenz in Freiheit ist, spricht nicht Nostalgie, sondern wacher politischer Realitätssinn.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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