https://www.faz.net/-gpf-9j15n

Kommentar zu deutscher Marine : Eine große Aufgabe

Mission „Sophia“: Deutschland setzt die Beteiligung vorerst aus. Bild: dpa

Nicht nur die Flüchtlingskrise zeigt: Deutschland braucht eine starke Marine. Das traurige Schicksal des Segelschulschiffs Gorch Fock darf kein Sinnbild für den Zustand dieser Teilstreitkraft sein.

          Eigentlich sind das erfreuliche Nachrichten: Die Zahl der Asylbewerber ist zurückgegangen. Sie bewegt sich unterhalb des von der Bundesregierung angepeilten Korridors (sieht man vom Familiennachzug ab). Es sind also weniger Menschen, die Schutz und ein besseres Leben suchen, in Deutschland angekommen als zuvor. Das ändert nichts an den Hunderttausenden einzelnen Schicksalen, die individuell vom Bundesamt für Migration sorgfältig geprüft und dann in der Regel von den Verwaltungsgerichten noch einmal überprüft werden.

          Das sagt auch noch nichts über die globale Ausgangslage aus, in der sich zahlreiche Verzweifelte und Migrationswillige befinden. Es hängt bei weitem nicht nur am Willen der deutschen Regierung, wie viele Flüchtlinge es nach Deutschland schaffen und gegebenenfalls wieder zurückgeführt werden können.

          Die Mission spricht Bände

          Die nun im wesentlichen beendete Mission „Sophia“ der deutschen Marine spricht Bände: Ursprünglich sollten die deutschen Soldaten im Mittelmeerraum Schleuser bekämpfen. Tatsächlich aber waren sie vor allem damit befasst, schiffbrüchige Flüchtlinge zu retten. Eine ehrenvolle Aufgabe, der sie nun aber nicht mehr nachgehen können, weil etwa Italien im Grunde auf diesem Weg keine Migranten mehr aufnehmen will.

          Die Grünen haben Recht: „Je weniger Schiffe, desto weniger Gerettete“. Jedem in unmittelbarer Not muss geholfen werden. Aber nachhaltig wäre es, möglichst niemanden auf diesen gefährlichen Weg zu leiten.

          Die Bekämpfung der Schleuser, die Sicherung von Grenzen sowie die faire Verteilung der Flüchtlinge ist tatsächlich eine gesamteuropäische Aufgabe. Dabei zeigt nicht nur die Flüchtlingskrise: Deutschland braucht eine starke Marine, die gut ausgebildet sein muss.

          Das traurige Schicksal des Segelschulschiffs Gorch Fock darf kein Sinnbild für den Zustand dieser Teilstreitkraft oder gar der ganzen Bundeswehr sein. Das Aufgabenspektrum hat sich erweitert. Wenn Deutschland und die Europäische Union nicht in der Lage sind, schon weit vor ihren eigenen Grenzen für Freiheit und Sicherheit zu sorgen, wird letztlich beides auch zu Hause verloren gehen.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Der gute Zweck und seine Mittel

          „Unteilbar“-Demonstration : Der gute Zweck und seine Mittel

          Am Samstag wollen Tausende bei der „Unteilbar“-Demonstration in Dresden auf die Straße gehen. Das von der SPD unterstützte Bündnis will für Solidarität statt Ausgrenzung stehen. Ist diese Haltung vereinbar mit Verbindungen zu Linksextremisten?

          Topmeldungen

          Wandel der Mobilität : Augen auf vorm Autokauf!

          Ob Auto, Bahn oder Fahrrad – Mobilität ist individuell und abhängig von Bedürfnissen und Lebensumständen. Doch jeder sollte bereit sein, sich zu hinterfragen.

          Größte Computerspiele-Messe : Das sind die Kracher der Gamescom

          In Köln läuft noch bis heute ein kunterbuntes Festival – die Gamescom: Was ist dort neu? Welche Bedeutung spielt die Cloud? Und: Warum begeistern dystopische Spiele und Außenseiterrollen die Gamer? Das und mehr im neuen Digitec-Podcast.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.