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Feiern zur Einheit : Ein Trauerspiel

Bunte Ballons mit dem Bundesadler bei den Einheitsfeierlichkeiten am Donnerstag in Kiel. Bild: EPA

In dreißig Jahren hat der dritte Oktober kaum neue Traditionen und keine Symbole oder Rituale hervorgebracht. Stattdessen ist der Tag der deutschen Einheit zur Chiffre für einen Wanderzirkus geworden.

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          Es ist dem Zufall geschuldet, dass der Tag der Deutschen Einheit dreißig Jahre nach dem Fall der Mauer in Kiel begangen wird – und die Feierlichkeiten dreißig Jahre nach der Wiedervereinigung im kommenden Jahr in Potsdam über die Bühne gehen werden. Freilich dürfte auch 2020 vielen nicht zum Feiern zumute sein. Inszenierungen wie die der beiden vergangenen Tage entspringen schlichter Politikroutine. Bei Licht betrachtet, hat der 3. Oktober in dreißig Jahren kaum neue Traditionen und keine Symbole oder Rituale hervorgebracht, in denen die Erinnerung an die „Zeit der Wunder“ (Richard Schröder) lebendig geblieben wäre.

          Stattdessen ist der Tag der deutschen Einheit zur Chiffre für einen Wanderzirkus geworden, der mit mittlerweile routinierten Beschwörungen dieses oder jenes Aspektes der Zeit zwischen dem Herbst 1989 und dem Herbst 1990 und der Ableitung diverser Handlungsanweisungen für das Hier und Jetzt mal da und dort Station macht. So gefährlich das Spiel mit Emotionen in der Politik auch sein mag: ein so leidenschaftsloser Nationalfeiertag ist eigentlich ein Trauerspiel.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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