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Kommentar : Ein Albtraum für die Sicherheitsdienste

Hier schlug der Attentäter zuerst zu: Das Straßencafé in Kopenhagen nach dem Anschlag vom Samstagabend. Bild: dpa

Gegen Attentäter wie den von Kopenhagen gibt es keinen Schutz. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute: Es konnte vielleicht noch Schlimmeres verhütet werden.

          Es ist ein Albtraum für die Sicherheitsbehörden. Ein Einzeltäter,  bislang unauffällig, aber kurzentschlossen. Dagegen ist kein Schutz, keine Prävention möglich. Selbst Anschläge nach Art des organisierten Massakers gegen „Charlie Hebdo“ können Polizei und Geheimdienste nur verhindern, wenn die Täter vor ihrer Tat auffällig werden oder der Druck auf die islamistische Szene der „Gefährder“ so hoch wie möglich gehalten wird. Das haben die Sicherheitsdienste nach den Anschlägen von Paris versucht. Kaum eine Woche verging ohne Verhaftungen oder Razzien gegen mutmaßliche Dschihadisten. Die tragische Nacht von Kopenhagen zeigt: Selbst das ist nicht genug, auch wenn vielleicht noch Schlimmeres verhütet werden konnte.

          Warum Dänemark? Nirgends im säkularisierten Europa ist die Welt so säkularisiert wie in Skandinavien. Es war deshalb wohl kein Zufall, dass Mohammed-Karikaturen zuerst in Dänemark und Schweden auftauchten. Für islamistische Fanatiker ist das eine andauernde Provokation, die Unschuldige mit dem Leben bezahlen müssen und Zeichner  wie der Schwede Lars Vilks oder der Däne Kurt Westergaard mit ihrer Bewegungsfreiheit.

          Die Verfolgung dieser Künstler - nicht nur durch Fanatiker, sondern auch durch „normale“ islamische sogenannte Gelehrte - und die Attentate vom Wochenende genauso wie die Attentate auf „Charlie Hebdo“ haben auch, aber nicht in erster Linie mit den militärischen und religiösen Auseinandersetzungen in der arabischen Welt zu tun. Es ist ein Streit darüber, was in Europa erlaubt ist und was nicht. Es ist ein Streit, der bis in den Karneval in Braunschweig und anderswo reicht. Es ist zu hoffen, dass sich daraus endlich eine Debatte entwickelt, die den Islam in Europa aus seiner kulturellen Reserve lockt.

          Die dänische Polizei, das war die einzig gute Nachricht dieses Wochenendes, konnte den Attentäter schnell stellen. Das war kein Zufall. Denn woher  wussten Polizei und Taxifahrer, wie der Attentäter aussah? Das sollte alle Bedenkenträger gegen neue Mittel der Sicherheit im öffentlichen Raum wieder einmal zum Nachdenken bringen. Nicht diejenigen haben sich etwas vorzuwerfen, die anlässlich solcher Verbrechen darauf hinweisen, sondern jeder Stoppt-die-Überwachung!-Blogger sollte sich an seine Verantwortung erinnern, wenn wieder einmal von massenhaften Bewegungsprofilen und „totaler Überwachung“ die Rede ist, wenn am Bahnhofsvorplatz eine Kamera installiert wird.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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