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Kommentar : Verständlicher Zorn der Schwarzen

Der Widerstand geht weiter. Ein schwarzer Demonstrant harrt in der Nacht in Charlotte aus Bild: Reuters

Zerstörung von Eigentum und Angriffe gegen Polizisten sind nicht hinnehmbar. Das Misstrauen schwarzer Amerikaner gegenüber der Staatsmacht aber ist allzu verständlich.

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          Der Gouverneur von North Carolina hat recht, wenn er sagt, dass Gewalt in Charlotte, die Zerstörung von Eigentum und Angriffe gegen Polizisten nicht hinnehmbar seien. Die Ausrufung des Notstands ist angesichts der Krawalle konsequent. Es erscheint aber auch der Zorn der schwarzen Bevölkerung, der sich auf den nächtlichen Straßen entlädt, ebenso folgerichtig. Denn was ist eigentlich mit der amerikanischen Polizei los, dass die Einsätze gegen Afroamerikaner so oft tödlich enden?

          Vor den tödlichen Polizeischüssen in Charlotte war gerade in Tulsa ein Schwarzer von Polizisten erschossen worden, der am helllichten Tag mit erhobenen Händen zu seinem Auto ging. Selbst wenn die Beamten sich bedroht gefühlt haben sollten, wofür es ausweislich der Filmaufnahmen keinen erkennbaren Anlass gab, hätte es wohl andere Mittel gegeben, ihn unschädlich zu machen. Dass tödliche Schüsse nicht das letzte, sondern oft das erste Mittel im Umgang mit schwarzen Verdächtigen sind, macht die Angst, den Zorn und das Misstrauen Schwarzer gegenüber der Staatsmacht allzu verständlich.

          Richard Wagner

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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