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Missbrauch in der Kirche : Blick in den Abgrund

Schleier des Nicht-Wissen-Wollens: Das Leid, dass Menschen i, Raum der Katholischen Kirche zugefügt wurde, ist noch nicht überall aufgearbeitet worden. Bild: dpa

Mehr als 400 Betroffene konnten sich binnen eines Jahres im Bistum Mainz Gehör verschaffen. Weil sie gehört wurden. Das ist nicht überall so in der Katholischen Kirche.

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          Auch mehr als zehn Jahre nach dem Fall der Mauer des Schweigens um die sexuelle Gewalt im Raum der katholischen Kirche in Deutschland ist das Bedürfnis nach einer Aufarbeitung dessen, was Menschen erlitten haben, wie auch dessen, warum es so kommen konnte, ungebrochen. Nur so erklärt sich die Zahl von weit mehr als 400 Betroffenen, die sich binnen eines guten Jahres im Bistum Mainz Gehör verschaffen konnten – weil die Bistumsleitung um Bischof Peter Kohlgraf und Weihbischof Udo Bentz es so wollte.

          Doch mit diesem Willen stehen die beiden Bischöfe noch immer reichlich alleine. Sicher gibt es inzwischen in mehreren Diözesen Aufarbeitungsprojekte. Doch in ihrem Zuschnitt und ihrem zeitlichen Horizont sind nicht einmal sie miteinander vergleichbar – gar nicht zu reden von jenen nicht wenigen Bischöfen, deren moralische Lethargie noch immer derart ausgeprägt ist, dass sie es nicht für nötig halten, den Schleier des Nicht-Wissen-Wollens über dem „schrecklichen Abgrund“ (Kohlgraf) wenn schon nicht selbst wegzuziehen, so doch wegziehen zu lassen.

          Und selbst dann, wenn sie es tun wollen, wie der Kölner Kardinal Woelki, ist der Weg dorthin mehr als steinig. Beschuldigte scheuen keine Anwaltskosten und juristischen Winkelzüge, damit ihre Machenschaften der Öffentlichkeit und damit auch den Betroffenen verborgen bleiben. Doch sollten nicht nur sie das Bild der Kirche prägen, sondern mehr noch Bischöfe wie die in Mainz oder Limburg.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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