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Kommentar : Türkische Eiszeit

  • -Aktualisiert am

Die Affäre Mavi Marmara bildet den Höhepunkt einer seit Jahren währenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen Israel und der Türkei. Beide Seiten sind daran nicht unschuldig.

          Es gab einmal eine Zeit, da war das Verhältnis zwischen der Türkei und Israel nicht nur normal, sondern sogar freundschaftlich. Diese Zeit ist fürs erste vorbei: Seit Freitag muss man endgültig von einer Eiszeit sprechen, denn die Türkei hat den Botschafter Israels ausgewiesen und die traditionelle militärische Zusammenarbeit beider Länder eingefroren.

          Ankara verlangt von Israel eine Entschuldigung für sein militärisches Vorgehen im Falle des Gaza-„Hilfsschiffes“ Mavi Marmara im vorigen Jahr, bei dem neun türkische Staatsbürger getötet worden waren; doch Israel verweigert dies mit dem Hinweis, der UN-Untersuchungsbericht des Vorfalls verlange keine Entschuldigung. Zwar wird Israel „exzessives“ Vorgehen auf dem Schiff vorgeworfen, doch sei dies durch Bewaffnung und Militanz einer Minderheit der „Gaza-Freunde“ offenkundig provoziert worden.

          Türken und Juden haben lange gut zusammengelebt

          Die Affäre Mavi Marmara bildet nur den Höhepunkt einer schon seit Jahren währenden Verschlechterung der Beziehungen, an der beide Seiten nicht unschuldig sind. Der türkische Ministerpräsident Erdogan und seine Regierung fühlten sich mehrfach von Israel diplomatisch hintergangen, ja, gedemütigt; und Israel beobachtet von Beginn an den Einsatz des entschiedenen Muslimen Erdogan und seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP für die „Brüder“ der Hamas im Gazastreifen mit Missbehagen.

          Auch hat Außenminister Ahmet Davutoglu mit seiner Politik der „strategischen Tiefe“, die nicht immer und überall erfolgreich war, weder in Palästina noch gar in Syrien oder Iran, erreicht, was ihm einmal vorschwebte.

          Die Vereinten Nationen haben beide Seiten aufgefordert, den Hader zu beenden und ihre Beziehungen wieder zu normalisieren. Dies wäre um so dringender, als die Lage in der Region gegenwärtig alles andere als stabil ist. Als Ergebnis der Arabellion, der Proteste und Umstürze in der arabisch-nahöstlichen Welt, herrschen Unsicherheit und Ungewissheit, in Libyen sogar Bürgerkrieg und in Syrien offener Aufruhr.

          Weder Israel noch die Türkei können ein Interesse daran haben, in dieser Situation zusätzliche Spannungen zu erzeugen. In den vergangenen Jahrhunderten, das wissen die Israelis so gut wie der Osmanen-Verehrer Erdogan, haben Türken und Juden gut zusammengelebt. Ihre Diplomaten sollten sich darauf besinnen und bald einen Ausweg finden.

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