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Kommentar : Treffen in schwieriger Zeit

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Wenn der König Saudi-Arabiens erstmals den Papst besucht, kann man dies nicht anders denn als historisches Ereignis bezeichnen. Von Wolfgang Günter Lerch.

          Wenn der König Saudi-Arabiens erstmals den Papst besucht, kann man dies nicht anders denn als historisches Ereignis bezeichnen. Abdullahs Meinungsaustausch mit Benedikt XVI. geschah zu einer Zeit, da westliche (und andere) Länder, angeführt von den Vereinigten Staaten, gegen den Terror kämpfen, der von radikalen Muslimen gegen den Westen und die eigenen Regime geübt wird; Saudi-Arabien mit seiner strengen Islam-Auslegung gilt vielen bis heute als der wichtigste ideologische Inspirator (und Finanzier) radikaler islamistischer Gruppen, deren Opfer es allerdings mehr und mehr auch selbst wird. Umgekehrt sehen nicht wenige Muslime im Papst noch immer das "Oberhaupt der Kreuzzügler".

          Der Papst hat die Türkei besucht und dort für Religionsfrieden geworben. Nun empfing er den "Hüter der beiden Heiligen Stätten" in Mekka und Medina, wie sich König Abdullah nennen lässt. Unlängst ist ein Brief von 138 islamischen Gelehrten in Rom eingegangen. Abdullah möchte, wie diese, den religiösen Dialog zwischen Muslimen und Christen intensivieren. Zudem hat sein Land die Führung der sunnitischen Welt in der Auseinandersetzung mit den Schiiten übernommen. Als Förderer eines Friedens zwischen Israel und den Palästinensern kommt Saudi-Arabien zudem eine kaum zu überschätzende Bedeutung auf arabischer Seite zu. Was könnte also nützlicher sein als ein Gedankenaustausch zwischen dem saudischen Monarchen und dem Papst?

          Doch das Verhältnis zwischen dem Vatikan und Riad ist schwierig und die Lage der Christen im Orient fast überall prekär, und zwar nicht erst seit dem Krieg der Amerikaner im Irak. Arbeiter aus christlichen Ländern in Saudi-Arabien haben so gut wie keine Rechte. Überhaupt hapert es gewaltig bei der sogenannten Reziprozität: Während in Europa - oft mit saudischem Geld - neue Moscheen und Gebetsräume entstehen, haben viele Christen in islamischen Ländern die größte Mühe, ihren Glauben auszuüben. Die Schiiten Saudi-Arabiens klagen über Diskriminierung, wenn nicht offene Unterdrückung. Über diplomatische Beziehungen zwischen dem Vatikan und Riad soll nun im Detail neu nachgedacht werden. Das wäre ein wichtiger Schritt auf einem schwierigen Weg der Normalisierung, den Abdullah seinerzeit, als er noch Kronprinz war, mit seinen Besuchen bei Papst Johannes Paul II. selbst mit eingeleitet hatte.

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