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Kommentar : Tod in Syrien

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Das Assad-Regime setzt darauf, dass es Sanktionen aushalten kann und eine auswärtige Intervention nicht zu erwarten ist. Assad ist angeschlagen, doch seine Karten sind besser, als es die Gaddafis jemals waren.

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          Etwa 3500 Menschenleben hat der syrische Aufruhr nach Angaben der Vereinten Nationen schon gekostet - und des Tötens ist noch kein Ende. Gegenwärtig geht das Regime Baschar al Assads vornehmlich in den mittelsyrischen Städten Hama und Homs gegen die Regimegegner vor.

          Beide Orte sind traditionell Zentren des Widerstandes gegen das herrschende Baath-Regime. Gegenüber der Arabischen Liga hatte sich Damaskus zwar verpflichtet, seine Panzer zurückzuziehen, wirkliche Reformen einzuleiten und den Dialog mit der Opposition zu suchen; doch Assad hat diese Zugeständnisse wohl nur gemacht, um Zeit zu gewinnen. Seine Gegner glauben ihm schon lange nichts mehr.

          In den vergangenen Wochen hat Assad Verbündete verloren. Die Türkei ist nun gegen ihn, und selbst die Islamische Republik Iran, bisher in Treue fest, hat ihre Haltung gegenüber dem Damaszener Regime diversifiziert, ohne das Bündnis freilich aufzugeben. Das Regime setzt darauf, dass es die bisher verhängten Sanktionen aushalten kann und zudem eine auswärtige Intervention, wie im Falle Libyens, nicht zu erwarten ist.

          Noch immer profitieren genug Leute vom Regime

          Zu Buche schlägt auch, dass es - insbesondere in der Hauptstadt Damaskus, aber auch im nördlichen Aleppo - noch immer genug Leute gibt, die vom Regime profitieren und dessen säkularen Charakter, trotz aller Repression, einer möglicherweise stärker religiös geprägten neuen Ordnung vorziehen.

          Dies gilt ganz besonders für die religiösen Minderheiten, hier voran die nicht wenigen Christen, die unter den Assads zwar keine politischen, doch religiöse Freiheiten hatten. Zusammenstöße wie in Ägypten zwischen Muslimen und christlichen Kopten gab es in Syrien niemals.

          Doch wie lange will Assad noch auf Demonstranten schießen lassen? Setzt er am Ende darauf, dass der Widerstand aufgrund der hohen Opferzahlen irgendwann erlahmt und in der Weltöffentlichkeit zudem ein Gewöhnungseffekt einsetzt, der die Erregung über die syrischen Schandtaten mindert? Assad ist ohne Zweifel angeschlagen, doch seine Karten sind noch sehr viel besser, als es die Gaddafis jemals waren. Im Falle Syriens zeigt sich, dass die Arabellion nicht überall zwangsläufig zum Sturz des jeweiligen Despoten führen muss; sie ist ein Ringen mit ungewissem Ausgang. Doch auch die Gegner Assads werden so schnell nicht aufgeben.

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