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Kommentar : Terrorwarnung

  • -Aktualisiert am

Neue Filialen und „Botschaften“ von Al Qaida sind Grund genug für die deutschen Sicherheitsbehörden, mit Warnungen an die Öffentlichkeit zu treten - auch wenn es derzeit keine konkreten Anschlagspläne gibt. Der Film des niederländischen Politiker Wilders legt darauf an, die Stimmung gegen Muslime weiter anzufachen.

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          Es gibt eindeutige Indizien für ein Wiedererstarken der Terrororganisation Al Qaida. Die Symbolfiguren des islamistischen Dschihad, Bin Ladin und Zawahiri, haben neue „Botschaften“ an ihre Anhänger und an die westliche Öffentlichkeit gesandt. Neue Filialen von Al Qaida, das inzwischen wie eine Art Franchise-Unternehmen funktioniert, sind im Maghreb entstanden, wo lokale Terrorgruppen den Treueeid auf die im fernen Pakistan versteckten Emire abgelegt haben. Es wird befürchtet, dass sich transnationale Terrorsöldner im Libanon festsetzen könnten.

          Das ist Grund genug für das Bundeskriminalamt und andere deutsche Sicherheitsbehörden, mit Warnungen an die Öffentlichkeit zu treten – auch wenn derzeit konkrete Anschlagspläne nicht bekannt sind. Die Nachricht, dass es wahrscheinlich ein in Deutschland geborener Türke war, der in Afghanistan ein Selbstmordattentat verübt hat, weist zudem auf die Gefahr der Radikalisierung junger Muslime in den europäischen Gesellschaften hin: Die Angabe des BKA-Chefs Ziercke, dass in Deutschland allein mehrere hundert sogenannter Gefährder beobachtet würden und weiterhin intakte Terrornetze bestünden, wirft ein Licht auf die Risiken, mit denen auch hierzulande zu rechnen ist.

          Das Filmchen, das der rechtslastige niederländische Politiker Wilders jetzt veröffentlicht hat – im Wesentlichen eine Montage aus bluttriefenden Koranversen, Bildern von Terroranschlägen und Brandreden islamischer Hassprediger –, legt es darauf an, die Stimmung gegen Muslime weiter anzufachen. Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Den Muslimen in der westlichen Welt muss zugemutet werden können, dass sie solche Filme ertragen – das verlangen die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Kunst, die zu unseren Grundwerten gehören.

          Das bedeutet jedoch nicht, dass solche Provokationen Gütesiegel irgendwelcher Art, politische oder künstlerische, verdienten. Darauf kam es dem geschickten politischen Stimmenfänger Wilders auch gar nicht an: Schon mit der Ankündigung des Filmes hatte er sein Ziel, maximale Publizität, erreicht. Die schwierige Suche nach Antworten auf die konkreten Fragen – wie lässt sich der Terrorismus am wirksamsten bekämpfen? Was müssen Muslime als Gegenleistung für Integrationsbereitschaft erbringen? – überlässt er anderen.

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