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Kommentar : Strategische Rivalen

  • -Aktualisiert am

Die Freundschaftsbekundungen Wladimir Putins gegenüber Hu Jintao erinnern zuweilen an das angestrengte Pfeifen des Ängstlichen im Walde. Während der russische Präsident aber im Westen mit seinen Rundumschlägen Ängste zu schüren vermag, schlägt ihm aus China das Lächeln des sich überlegen Dünkenden entgegen.

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          Atmosphärisch gab es zwischen den Präsidenten Russlands und Chinas in Moskau keine Probleme. Sowohl Wladimir Putin als auch Hu Jintao gefallen sich in der Rolle als „Demokratisierer“ der Welt in dem Sinne, dass die angeblich verderbliche Dominanz Amerikas nun endlich der Vergangenheit angehören müsse. Deshalb wurde wieder einmal die "strategische Partnerschaft" beider Staaten als Ziel beschworen. Aber wie oft hat man das in den vergangenen Jahren schon gehört. Die wirklichen Gemeinsamkeiten zwischen Russland und China sind überschaubar.

          Wenn beide zum Beispiel verkünden, die Zusammenarbeit mit den Staaten Zentralasiens stärken zu wollen, verdeckt dies nur notdürftig ihre sich anbahnende Rivalität in diesem Gebiet. Die von Sowjet-Nostalgie nicht freie russische Führung sieht die ehemaligen Teilrepubliken der UdSSR immer noch als ihr natürliches Einflussgebiet. China hingegen ist mittlerweile stark und vor allem selbstbewusst genug, nach eigenen Interessensphären zu streben. Der Rohstoffreichtum der Staaten tut ein Übriges.

          Russland möchte, wie immer und überall, auch hier Rohstoffquellen und die Transportwege kontrollieren. China will eine krisensichere Versorgung. Das gelingt aus Sicht Pekings am besten dann, wenn der jeweilige Partner schwächer ist als China. Russland ist aber trotz all seiner Schwächen und Entwicklungsrückstände zu groß, um mit ihm umzuspringen wie mit irgendeinem afrikanischen Land. Deshalb will China den "strategischen Partner" in Zentralasien auf Distanz halten.

          Etwas mehr Abstand zwischen beiden Ländern wäre nach russischem Empfinden auch im Fernen Osten gut. Hier macht sich besonders die sehr unterschiedliche Wachstumsdynamik in Russland und China bemerkbar. Die russische Lage erinnert hier in vielerlei Hinsicht an die eines Entwicklungslandes, das sich einem aufstrebenden Industriestaat immer weniger gewachsen sieht. Deshalb erinnern die Freundschaftsbekundungen Wladimir Putins gegenüber Hu Jintao zuweilen an das angestrengte Pfeifen des Ängstlichen im Walde. Rhetorisch ist der russische Präsident sehr begabt. Während er aber in Westeuropa mit seinen Rundumschlägen Ängste zu schüren vermag, schlägt ihm aus China das Lächeln des sich überlegen Dünkenden entgegen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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