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Kommentar : Spitzenkandidat Fischer - na und?

  • -Aktualisiert am

Werner Schulz (Grüne): "Einengung auf Spitzenkandidat gefährlich" Bild: dpa

Die Grünen haben Joschka Fischer förmlich zum Spitzenkandidaten ernannt. Wen wundert´s? Ein Kommentar.

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          Die Grünen ergeben sich der normativen Kraft des Faktischen. Joschka Fischer zum Spitzenkandidaten zu wählen, bedeutet keinen Quantensprung, sondern die Formalisierung einer Tatsache.

          Schon vor vier Jahren trieb der heimliche Spitzenreiter die Grünen über die Fünf-Prozent-Hürde und in die Koalition mit den Sozialdemokraten. Den Wählern war es schnuppe, dass Fischer diese Rolle vom Parteirat noch nicht zugedacht war. Sie wählten ihn trotzdem.

          Angst vor Machtverlust

          Vier Jahre später ist die Lage heikel: Die Grünen dümpeln bei fünf-Komma-noch-was-Prozent, liegen in den Umfragen hinter der PDS und weit abgeschlagen von der einstigen Pünktchenpartei FDP. Der Wiedereinzug in den Bundestag steht nach der selbstquälerischen Diskussion über das Ja zum Bundeswehreinsatz im Kampf gegen den Terror mehr denn je auf der Kippe. Der Spagat zwischen Machterhalt und Moral hat selbst nachsichtige Sympathisanten wütend gemacht.

          Vom Matrosen zum Kapitän in Uniform

          Jetzt soll Fischer, ohne den die Grünen heute wer weiß wo, aber sicher nicht in diversen Bundesministerien säßen, das Ruder noch einmal herumreißen und den schlingernden Kahn auf Siegeskurs bringen - nicht als Matrose im Marinehemd, sondern als Kapitän in Uniform. Von Fischers Amtsbonus will nun auch die Partei zehren. In seinem Licht wollen sich alle sonnen.

          Keine Schicksalsfrage

          Was bei anderen Parteien selbstverständlich ist, gerät den Grünen schnell zur Schicksalsfrage: Jedes Prinzip weniger, ist eine Häutung zu viel. Doch diesmal fragt kaum einer danach, was von grüner Identität übrig bleibt. Lieber Vize-Kanzler-Wahlverein als ganz weg vom Fenster. Die Grünen können dankbar sein, dass ihnen ein Pfund zum Wuchern geblieben ist. Zu Joschka Fischer gibt es keine Alternative.

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