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Kommentar : Sieg der Eltern

  • -Aktualisiert am

Bayern korrigiert seinen politischen Fehler der jüngsten Bildungsgeschichte. Ob das Gymnasium wieder zur Schulform wird, die auf das Studium vorbereitet, ist aber ungewiss.

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          Mit der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium hat auch Bayern nach Jahren des Streits und der Proteste einen der folgenreichsten politischen Irrtümer der jüngsten Bildungsgeschichte korrigiert. Und die CSU-Regierung hat sogar doppelt gelernt, was in der Politik Seltenheitswert haben dürfte: So überstürzt wie bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums vor 13 Jahren soll es bei der Rückkehr nicht zugehen. Anderthalb Jahre Vorbereitungszeit sind vorgesehen, um eine Gesamtreform des Gymnasiums auf den Weg zu bringen, die von Dauer sein soll.

          Ob das Gymnasium dabei wieder zu einer Schulform wird, die ihren Anspruch einlösen kann, nicht nur erweiterte Allgemeinbildung, sondern auch Studierfähigkeit von Anfang an so anzustreben, dass Hochschulreife nicht nur attestiert, sondern auch tatsächlich erreicht wird, bleibt abzuwarten. Wenn es gelänge, das weithin kaum noch von anderen weiterführenden Schularten unterscheidbare Gymnasium kognitiv anspruchsvoller zu gestalten und damit ein Leistungsniveau zu erfüllen, das die meisten Gymnasiasten ausweislich der jüngsten Bildungsstudien verfehlen, wäre die Reform sinnvoll genutzt. Denn keinem Abiturienten ist damit gedient, dass er an der Universität seine Studierunfähigkeit erleben und im schlimmsten Fall das begonnene Studium abbrechen muss, weil es an Grundlagen fehlt und das Abitur nicht hält, was es verspricht.

          Bayern wird seine Lehrpläne aus dem Jahr 2014, die sich auf „Grundwissen“ und Kompetenzrhetorik beschränken, erheblich überarbeiten müssen. Dafür bleibt nicht allzu viel Zeit. Immerhin hat das Land begriffen, dass eine Änderung der Gymnasialdauer nicht nur schulorganisatorische, sondern inhaltliche Folgen hat. Das gesamte Reformpaket, an dem auch andere Schularten teilhaben, lässt sich das Land bis zum Jahr 2025 insgesamt 870 Millionen Euro kosten. Nach Niedersachsen ist der Freistaat das zweite Bundesland, das die neunjährige Schulzeit wieder zur Regel macht.

          Alle anderen Länder haben Wahlmodelle oder bleiben beim G8 in der Fläche mit wenigen G9-Modellschulen. Die Rückkehr zur neunjährigen Gymnasialzeit hat die Macht der Eltern über eine zu selbstsichere Politik gezeigt. Bayerns Beispiel wird den G9-Initiativen in Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein sowie im Saarland und in anderen Ländern erheblichen Schwung verleihen.

          Heike Schmoll
          Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

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