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Kommentar : Sarkozys Wahrheiten

  • -Aktualisiert am

In seinem Fernsehinterview nach dem Euro-Gipfel erwähnte Sarkozy keinen Namen öfter als den von Angela Merkel. Er pries Deutschland als Vorbild für Frankreich an. Und verkündigte bittere Wahrheiten.

          Nicolas Sarkozy weiß, dass es von nun an ums Ganze geht: In sechs Monaten steht in Frankreich die Präsidentenwahl an, und er liegt gegenüber seinem wichtigsten Gegner, dem Sozialisten Hollande, deutlich im Rückstand. Sarkozys Fernsehinterview nach dem EU-Gipfel war insofern sein erster großer Wahlkampfauftritt, auch wenn er seine Kandidatur noch nicht offiziell bekanntgegeben hat.

          Was der Präsident den Franzosen zu sagen hatte, war auf jeden Fall mutig: nicht gerade eine "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede, aber doch das unverhüllte Eingeständnis, dass ohne große Anstrengungen und ohne weitere Einschnitte die Schuldenwende in Frankreich nicht zu schaffen sei.

          Dabei griff er, um nur ein Beispiel zu nennen, die Einführung der 35-Stunden-Woche unter Mitterrand - eine der vielen heiligen Kühe der französischen Sozialpolitik - frontal an: Sie habe verheerende Konsequenzen für die Wettbewerbsfähigkeit der einheimischen Industrie in einer globalisierten Wirtschaftswelt gehabt. Es scheint so, als wolle Sarkozy um seine Wiederwahl mit bitteren Wahrheiten werben.

          Vorbild Deutschland

          Bemerkenswert war dabei, dass der Präsident in diesem Zusammenhang Deutschland als Vorbild und - wie es in der Managersprache heißt - dauerhafte "benchmark" für Frankreich anpries. Eindringlich stellte er die Franzosen vor die Wahl, ob sie sich künftig bei den (süd-)europäischen Krisenländern einreihen oder ob sie zum Kreis der erfolgreichen (nord-)europäischen EU-Mitglieder gehören wollten.

          Anders gesagt: Sarkozy versuchte seinen Landsleuten klarzumachen, dass Frankreichs Führungsanspruch in Europa nur dann aufrechtzuerhalten sei, wenn das Land weiterhin in der Lage sei, in der ersten ökonomischen Liga mitspielen zu können. Noch einmal anders gesagt: Während Hollande den Franzosen ihren "Traum" zurückgeben will, wies Sarkozy sie mit allem Ernst auf die harten Realitäten hin.

          Keinen Namen nannte Sarkozy öfter als den von "Madame Merkel". Zusammen mit ihr habe er den Eurozonen-Gipfel zum Erfolg geführt. Er bekräftigte seine hierzulande kaum wahrgenommene Initiative, die Unternehmenssteuern in Deutschland und Frankreich zu harmonisieren. Die Angebote zur Zusammenarbeit waren so weitreichend, dass nun eine angemessene deutsche Antwort folgen muss. Für alle Skeptiker: Ja, das wird mühsam. Aber es ist der Mühe wert.

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