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Kommentar : Ringen um Damaskus

  • -Aktualisiert am

Syriens Opposition will stärker als bisher mit Waffen kämpfen. Dem Assad-Regime ist zuzutrauen, dass es zu Massakern bereit ist - unter Hinnahme seiner totalen Isolation.

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          Wer im Dunkeln laut schreit, hat Angst, sagt der Volksmund. Daran erinnern die martialischen Worte, mit denen sich der syrische Diktator Baschar al Assad nun an die „Weltöffentlichkeit“ gewandt hat. Dass sich der einstmals starke Mann in Damaskus jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten seines Landes verbittet, gehört noch zum üblichen Floskel-Inventar solcher Stellungnahmen; nicht jedoch die unverhüllte Drohung, Syrien werde ein „zweites Afghanistan“, falls man dem in Libyen erprobten Muster einer Intervention folge.

          Kein Zweifel: Die Bilder vom toten Gaddafi haben auch auf den syrischen Autokraten eine verstörende Wirkung gehabt. Es ist die Furcht, dass es ihm vielleicht bald genauso ergehen könnte wie dem libyschen Selbstherrscher, die ihn in diesem Ton lospoltern lässt. Und die Furcht ist nicht unbegründet: Assads wichtigster Verbündeter in der Region, die Islamische Republik Iran, beginnt sich von ihm abzusetzen - obwohl erst unmerklich. Sogar die Exil-Führung der palästinensischen Hamas fängt an, sich in Damaskus unwohl zu fühlen. Die noch bis vor kurzem dem Damaszener Regime freundlich gesinnte Türkei hat einen Kalkülwechsel vollzogen.

          Parallele zu Libyen

          Sie unterstützt nun die Opposition - mit Worten und Werken; unter anderem, weil Assad, wie es heißt, die kurdische PKK wieder, wie früher, gegen Ankara instrumentalisiere. Da das syrische Regime in der arabischen Region eine weitaus wichtigere Stellung hat, als es das Libyen Gaddafis hatte, und da es im Innern noch von vielen Minderheiten und Nutznießern seines - durchaus säkularen - Kurses unterstützt wird, glaubt Assad, er könne seinen Thron behaupten. Das war erwartet worden.

          Die Opposition hat wissen lassen, dass sie stärker als bisher mit Waffen kämpfen werde. Da bahnt sich eine Parallele zu Libyen an. Im Jahre 1982 hatte Baschar al Assads Vater, Hafez al Assad, eine Erhebung der Muslimbrüder in Hama unter Inkaufnahme von schätzungsweise 20.000 Toten niederschlagen lassen.

          Den gegenwärtigen Machthabern ist zuzutrauen, dass sie zu Ähnlichem bereit sind - unter Hinnahme ihrer totalen Isolation. Allerdings hat das Aufbegehren diesmal fast das gesamte Land erfasst und ist eingebettet in die Arabellion, die allerdings in Nordafrika größere Erfolge zu verzeichnen hat als im restlichen Arabien. Dem Ringen um Damaskus kommt zentrale Bedeutung zu.

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