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Kommentar : Reparationen für die Sklaverei?

  • -Aktualisiert am

Kolonialherren und ihre Hilfstruppen: Weiße Offiziere im Burenkrieg Bild: dpa

Afrika möchte für Repressionen der Vergangenheit entschädigt werden.

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          Umberto Eco schrieb vor Jahren, welche Staaten sich heute bei wem für Feldzüge, Besatzung und historische Gräueltaten entschuldigen müssten: die Bewohner der Stadt Rom bei den Galliern und Germanen, Napoleon bei den Ägyptern undsofort.

          Was Eco zeigte, ist, dass es gar nicht leicht ist, festzulegen, wann Forderungen nach Entschuldigungen oder gar Reparationen berechtigt sind und wann sie - salopp gesprochen - verjährt sind.

          Entschädigungen

          Lässt sich die Antwort vielleicht so geben? Ansprüche sind dann nachvollziehbar, wenn Staaten bis in die Gegenwart unter den Folgen von Unterdrückung, Versklavung und Völkermord zu leiden haben. Dann hätten die Afrikaner vielleicht recht damit, dass sie jetzt Entschädigungen für Sklaverei und Kolonialzeit fordern. Aber auch das ist nicht sicher. Manche Historiker behaupten, dass die Kolonien für die Kolonialisten wirtschaftlich ein Minusgeschäft waren und dass die Kolonialzeit Afrika gar nicht geschadet habe, sondern im Gegenteil auf dem Kontinent für eine funktionierende Verwaltung und Infrastruktur gesorgt hätte. Und die Sklaverei? Liegt die nicht viel zu lange zurück, um Reparationen zu rechtfertigen?

          Die Frage sorgt in Genf dieser Tage für Aufregung. Dort findet die letzte Vorbereitungsrunde zur Weltkonferenz gegen Rassismus statt, die vom 31. August bis zum 7. September in der südafrikanischen Hafenstadt Durban stattfinden soll. Mehr als 12 000 Delegierte aus fast 200 Ländern wollen dort vor allem über Gegenwartsfragen verhandeln: über den Kampf gegen Menschenhandel und moderne Formen der Sklaverei - zwei Probleme, die ohne Zweifel eine Konferenz verdienen.

          Sklaverei

          Doch vor der Konferenz tobt ein Streit über Geschichte und Symbole. Über den berichtet an diesem Dienstag überraschenderweise nur die „Berliner Zeitung“. Die arabischen Länder wollen sich in Durban dafür einsetzen, dass Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wird. Die afrikanischen Staaten wollen eine Verurteilung der Sklaverei und entsprechende Entschädigungsleistungen fordern. Kolonialismus und Sklaverei hätten Afrika unterentwickelt hinterlassen, deswegen müssten Länder, die vom Sklavenhandel profitiert hätten, ihren Teil der Schuld auf sich nehmen, sagen die Afrikaner.

          Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, will die Zionismus-Debatte nicht wieder aufnehmen. Die UN-Vollversammlung hatte den Zionismus 1975 verurteilt. 1991 wurde die Resolution auf Wunsch Amerikas und Israels aufgehoben. Amerika droht mit dem Boykott der Konferenz von Durban, wenn die Araber und Afrikaner keine Ruhe geben.

          Und was denkt der Gastgeber?

          Südafrika ist gespalten. Bis vor kurzem hatte sich Tbabo Mbeki, der Präsident des Landes, noch für Reparationszahlungen ausgesprochen. Inzwischen reicht es ihm, wenn die westlichen Länder die Sklaverei und die Ausplünderung Afrikas als ein "Verbrechen gegen die Menschheit" deklarieren.

          Mbeki vertritt die Kunst des Möglichen. Die Komplexität des historischen Problems reduziert sich weltpolitisch auf eine Frage, die mit Moral nichts, mit Macht aber viel zu tun hat: Amerika hat von Afrika wenig zu befürchten, wenn es Reparationen für die Sklaverei ablehnt. Deshalb kann es sich die amerikanische Regierung erlauben, sich auf Diskussionen gar nicht erst einzulassen.

          Aber es gibt auch andere Gründe, auf Reparationen zu verzichten. Von ihnen würde manches korrupte Regime profitieren, das seine Völker auch nicht viel besser behandelt als die Kolonialherren von einst.

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