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Kommentar : Nahöstliche Überraschung

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wgl. Die meisten Israelis werden den für diese Woche geplanten Austausch, der durch deutsche Vermittlung zustande gekommen ist, begrüßen. Israel soll aus den Händen der schiitischen Hizbullah ("Partei Gottes") des Libanons einen ...

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          wgl. Die meisten Israelis werden den für diese Woche geplanten Austausch, der durch deutsche Vermittlung zustande gekommen ist, begrüßen. Israel soll aus den Händen der schiitischen Hizbullah ("Partei Gottes") des Libanons einen vor vier Jahren entführten, noch lebenden Geschäftsmann und drei tote Soldaten zurückbekommen; im Gegenzug entläßt es gut 400 arabische Gefangene und den Deutschen Smyrek aus der Haft. Ron Arad, ein seit dem Libanon-Feldzug vermißter israelischer Soldat, der im ganzen Land zur Symbolfigur geworden ist, befindet sich wohl nicht unter den Auszutauschenden. Lebt er überhaupt noch? Immer wieder haben - teilweise abenteuerliche - Berichte über sein Schicksal in den vergangenen Jahren für internationales Aufsehen gesorgt.

          Ministerpräsident Scharon, der wegen Korruptionsvorwürfen unter schweren politischen Beschuß geraten ist, kann diesen Austausch gewiß zu seinen Gunsten verbuchen. Solche Aktionen werden in Israel aus menschlichen wie religiösen Gründen besonders wichtig genommen, auch und gerade, wenn man Gefallene zurückerhält. Einige Politiker, die noch weiter rechts stehen als der Ministerpräsident, kritisieren diese Aktion gleichwohl: Sie sehen darin eine Form der "Anerkennung" der Hizbullah, die Terrororganisation werde durch Scharon "hoffähig" gemacht. Neben der palästinensischen Hamas gilt die Schiitenorganisation als der grimmigste Feind Israels. Doch hat Scharon ja nicht direkt mit der Hizbullah verhandelt.

          Daß einige deutsche Stellen einen relativ guten Draht zur Hizbullah haben, ist schon seit vielen Jahren bekannt. Israel weiß dies zu schätzen und erkennt es dankbar an. Die politische Rolle Berlins im Nahen Osten wird oft und gern überschätzt; doch was jetzt erreicht worden ist, entspricht ungefähr den realen Möglichkeiten: politisch und humanitär gute Dienste zu leisten, punktuell als Vermittler zu fungieren, der auf beiden Seiten ein recht großes Vertrauen genießt. Das ist schon etwas. Erst kürzlich ist der Nahost-Konflikt von amerikanischer Seite halbamtlich für unlösbar erklärt worden. Der vereinbarte Austausch zeigt, daß trotz der verhärteten Fronten immer wieder einmal Überraschungen möglich sind. Die letzte dieser Überraschungen war die "Genfer Initiative".

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