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Kommentar : Michael Moore - der Wadenbeißer

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kil. Die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes für Michael Moores "Fahrenheit 9/11" ist nicht der Lohn für ein Meisterwerk der Filmkunst. Belohnt wurde vielmehr ein Mann, der eine bestimmte Form des politischen Dokumentarfilms ...

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          Die Goldene Palme der Filmfestspiele von Cannes für Michael Moores "Fahrenheit 9/11" ist nicht der Lohn für ein Meisterwerk der Filmkunst. Belohnt wurde vielmehr ein Mann, der eine bestimmte Form des politischen Dokumentarfilms so konsequent betreibt, daß er zu einer Medienmacht eigener Art geworden ist. Seit 1989 dreht der in der Autostadt Flint in Michigan geborene Moore Filme, aber erst die Wahl von George W. Bush zum Präsidenten und die Atmosphäre nach den Anschlägen vom September 2001 haben ihn zur Galionsfigur der amerikanischen Kultur werden lassen.

          Mit seinen Büchern und Dokumentationen ist Moore zum Sprecher eines linksliberalen Amerika geworden, das die Innenpolitik der Bush-Regierung ebenso ablehnt wie ihre weltpolitischen Abenteuer, das für Sozialleistungen und Steuergerechtigkeit, gegen unkontrollierten Waffenbesitz und zunehmend auch gegen den Irak-Krieg kämpft. Der Film "Fahrenheit 9/11", der als Pamphlet gegen die Bush-Familie beginnt und als Elegie auf eine von ihrem Oberbefehlshaber im Stich gelassene United States Army endet, ist das schärfste Mediengeschütz, das die Demokraten im Wahljahr auf ihre politischen Gegner richten können. Er spricht aus, was John Kerry nicht laut zu sagen wagt.

          In Flint hat Michael Moore seinen ersten Dokumentarfilm gedreht, und dorthin kehrt er immer wieder zurück, wenn er zeigen will, was der Durchschnittsamerikaner seiner Meinung nach denkt und fühlt. Es ist dieser tiefe Glaube an Amerika, der ihn seine Attacken gegen die Banken, die Großindustrie, die Waffenlobby und ihre Verbündeten in Washington reiten ließ, von "Roger and me" (1989) bis "Bowling for Columbine" (2002). Dann kam George W. Bush und machte ihn zum Medienstar. Moore ist ein Fachmann im Aufdecken von Widersprüchen zwischen Sein und Schein, und daran herrscht unter der jetzigen Regierung kein Mangel. In "Fahrenheit 9/11" sieht man, wie der Präsident unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September in einer Schulklasse in Florida sitzt und ein Kinderbuch liest. Später erscheint er Grimassen schneidend im Fernsehstudio, wo seine Rede zum Beginn des Irak-Kriegs aufgezeichnet wird. Solche Bilder sind keine Sottisen. Sie sind Waffen, und Michael Moore weiß, wie man sich ihrer bedient.

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