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Kommentar : Manche Saiten

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V.Z. Alle Parteien werfen in den nächsten Wochen ihre stärksten Wahlkämpfer in die schleswig-holsteinische Schlacht. Der Bundeskanzler tritt in Husum auf, gleichsam vor der Hoftür Peter Harry Carstensens, der auf Nordstrand sein ...

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          V.Z. Alle Parteien werfen in den nächsten Wochen ihre stärksten Wahlkämpfer in die schleswig-holsteinische Schlacht. Der Bundeskanzler tritt in Husum auf, gleichsam vor der Hoftür Peter Harry Carstensens, der auf Nordstrand sein Anwesen hat und Heide Simonis nach 12 Jahren endlich das Amt des Ministerpräsidenten abjagen will. Die Chancen dafür stehen schlechter, als man noch vor einem Jahr dachte. Die Bundes-SPD will es jetzt wissen. Sie hat sich als Sieg ausgelegt, daß ihr in Brandenburg die Katastrophe erspart blieb, und sie hat die Katastrophe in Sachsen in Macht umgemünzt; Müntefering prognostizierte der Union schon im September das Ende ihrer "schönen Tage". Damals war schon durchgerechnet worden, wie erledigt der Kanzler erst wäre, wenn die Union mit einer Zweidrittelmehrheit im Bundesrat die Arbeit der Regierung vollständig lähmen könnte.

          In diesem Jahr will die SPD ihre Macht in Kiel und Düsseldorf verteidigen, und zu Beginn, unmittelbar nach der Geberkonferenz in Jakarta, wird der Kanzler an der Nordseeküste, wo man auch Erinnerungen an mörderische Fluten, an die großen "Mandränken", hat, durch seine bloße Gegenwart an manche Saiten rühren. Denn er verkörpert jetzt, schon wieder dank einer Flut, als quasi-präsidialer Integrator Stimmungen und Empfindungen, die über das alltäglich Gezänk hinausgreifen. Tatsächlich ermöglicht die Katastrophe im Indischen Ozean Schröder, ausgerechnet in der Startphase von Hartz IV, für die ihm politisch schweres Wasser vorhergesagt war, als Kanzler der Herzen in Erscheinung zu treten.

          Auch Fischer hat davon gut. Der Kanzler und der Außenminister haben nicht mehr getan, als Anstand, Würde und Mitgefühl verlangten. Doch das genügt. Schröders Rückkehr aus dem Weihnachtsurlaub war der Situation angemessen, dasselbe gilt für seinen und Fischers Appell an die Bürger, zum Jahreswechsel am Feuerwerk zu sparen und den Notleidenden im fernen Asien Unterstützung zukommen zu lassen. Das hohe Ausmaß der Bereitschaft dazu wirft nebenher ein anderes, freundlicheres Licht auf Deutschland als die selbstquälerischen Dosenpflegepfandreformdebatten der vergangenen zwei Jahre. Für die Opposition ist es schwer, dagegen anzukommen, denn dagegen kann sie nicht, will sie auch nicht sein.

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