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Kommentar : Logik des Krieges

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Jeder Tag, den die Hizbullah durchhält, läßt ihren Führer, Scheich Hassan Nasrallah, an Ansehen in der arabischen Welt gewinnen. Und das schadet Israel. Offenkundig hat Israel die Widerstandskraft der Hizbullah unterschätzt.

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          Im Nahen Osten herrscht gegenwärtig die Logik des Krieges, während die diplomatischen Bemühungen, insbesondere die der Amerikaner, nicht so recht von der Stelle kommen. Israel möchte die Kämpfe am liebsten erst einstellen, wenn es die schiitische Hizbullah („Partei Gottes“) empfindlich geschwächt hat; dann soll eine internationale Friedenstruppe im Südlibanon übernehmen. Die Hizbullah ihrerseits kann sich schon jetzt als relativer Sieger fühlen, hat sie doch der israelischen Übermacht vergleichsweise hohe Verluste zugefügt.

          Jeder Tag, den die Hizbullah durchhält, läßt ihren Führer, Scheich Hassan Nasrallah, an Ansehen in der arabischen Welt gewinnen. Und das schadet Israel. Offenkundig hat Israel die Widerstandskraft der Hizbullah unterschätzt. Deren Kämpfer sind religiös-ideologisch hoch motiviert und - wohl von iranischen Revolutionsgardisten - gut ausgebildet. Lediglich die libanesische Regierung möchte eine sofortige Einstellung der Kämpfe, erst recht nach dem jüngsten Massaker in dem Ort Kana, bei dem mehr als fünfzig Zivilisten durch israelisches Bombardement getötet wurden.

          Zivilisten als Schutzschilde

          Ein ähnliches Massaker gab es in diesem Ort schon vor Jahren. Damals ließ Israel wissen, die Artillerie habe sich „in den Koordinaten“ getäuscht. Zum gegenwärtigen asymmetrischen Krieg gehört, daß die Hizbullah Zivilisten als Schutzschilde nimmt, doch ist der libanesische Zorn, der zur Ausladung der amerikanischen Außenministerin Rice durch den libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora und zur vorübergehenden Erstürmung einer UN-Vertretung in Beirut führte, nur allzu verständlich. Auch die Anzahl ziviler Opfer in diesem Waffengang ist asymmetrisch. Der Libanon hat gegenüber Israel ein Vielfaches an Toten zu beklagen.

          Es wäre jetzt höchste Zeit, die Syrer ins Spiel zu bringen. Damaskus hat zu erkennen gegeben, daß es zu Gesprächen bereit ist. Die beabsichtigte Zähmung der Hizbullah, die der Libanon allein nicht leisten kann, ist ohne die Syrer schwer vorstellbar. Auch hat Damaskus, trotz des Abzugs seiner Truppen im vorigen Jahr, natürlich niemals aufgehört, seinen Einfluß im Libanon geltend zu machen. Man müßte nun sondieren, welchen politischen Preis das Regime von Baschar al Assad für eine Beteiligung am Zustandekommen einer Waffenruhe und an einer dauerhaften Bändigung der Hizbullah verlangt.

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