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Kommentar : Kopftuch und Freiheit

Lange Zeit galt die Faustregel, dass religiöse Bekenntniskleidung im öffentlichen Dienst nichts zu suchen habe, in privaten Unternehmen aber zulässig sei. Nun steht immer mehr der Einzelfall im Mittelpunkt. Im Sinne der Freiheit?

          Zum Kopftuch fällt den Gerichten immer wieder etwas Neues ein. Galt lange Zeit die Faustregel, dass religiöse Bekenntniskleidung - wenn es nicht gerade „Berufskleidung“ ist - im öffentlichen Dienst nichts zu suchen habe, in privaten Unternehmen aber zulässig sei, steht nun immer mehr der Einzelfall im Mittelpunkt.

          Das Bundesverfassungsgericht hat das Kopftuch für Lehrerinnen schon für zulässig erklärt. Jetzt könnte der Europäische Gerichtshof der Generalanwältin folgen und ein Verbot in privaten Unternehmen billigen - sofern es dafür eine gute Begründung gibt. Wie „gut“, also frei von Diskriminierung, eine solche Begründung ist, beruht wohl auf Verhältnismäßigkeit, und die wiederum liegt im Ermessen der jeweiligen Richter. Im Sinne von Toleranz und Religionsfreiheit ist das der sicherste Weg.

          Es ist aber für fundamentalistische Strömungen zugleich der bequemste Weg, um zu zeigen, wie weit der Arm des strengen Islams reicht. Ob das wiederum im Sinne der wichtigsten Errungenschaft des Westens ist, der Freiheit, dazu fällt den Gerichten hoffentlich immer wieder etwas Neues ein.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

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