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Kommentar : Kairo und Amman

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Auf dem Tahrir-Platz: Koptische Christen und Muslime protestieren gemeinsam gegen Mubarak Bild: Helmut Fricke; F.A.Z.

In Kairo und Amman zeigt die machtvolle Bekundung des Volkswillens Wirkung. König Abdullah II. von Jordanien setzt eine neue Regierung ein. Die Schlinge um Husni Mubarak zieht sich immer enger zusammen.

          Die Schlinge um Husni Mubarak zieht sich immer enger zusammen. Auch wenn es vielleicht keine zwei Millionen Menschen gewesen sein mögen, die sich auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo zu einer neuerlichen Kundgebung zusammenfanden, sondern weniger, so war es doch eine machtvolle Bekundung des Volkswillens: Mubarak, trete ab!

          Die merkliche Zurückhaltung der Armee kann ebenfalls in diesem Sinne gedeutet werden. Schon in Tunis hatte sich das Militär dem Despoten Ben Ali verweigert, was dessen überraschenden Abgang drastisch beschleunigte. Der immer mehr als Sprecher der oppositionellen Volksbewegung auftretende und akzeptierte Mohammed El Baradei hat dem „Rais“ eine Frist bis zum Freitag gesetzt.

          Washington, die Europäische Union, auch der türkische Ministerpräsident Erdogan, auf den manche Ägypter schauen, haben an die Demonstranten appelliert, friedlich zu bleiben, jede Gewalteskalation zu vermeiden, könnte eine solche dem Militär am Ende doch noch den Vorwand liefern, seine Zurückhaltung aufzugeben.

          Und Präsident Obama hat einen Emissär nach Kairo gesandt, der mit dem frisch ernannten Vizepräsidenten Omar Suleiman und der Armeeführung über den weiteren Gang der Dinge beraten soll. Die Demonstrierenden werden genau verfolgen, was da besprochen und geplant wird.

          König Abdullah II. steht noch nicht zur Disposition

          Ihnen kommt dabei zugute, dass auch in anderen Staaten der Region Unruhe herrscht; sie sind somit nicht isoliert. König Abdullah II. von Jordanien hat mit der Einsetzung einer neuen Regierung auf die Massendemonstrationen reagiert, die sein Königreich seit Tagen erschüttern. Seine Person steht, anders als in Tunis oder Kairo, noch nicht im Brennpunkt der Kritik. Vielmehr geht es den Demonstranten um einen gesicherten Lebensunterhalt und „wirkliche Wahlen“, wie sie sagen.

          Das soll der neue Ministerpräsident Maruf Bachit, ein Mann des Sicherheitsapparats, der auch schon einmal Kabinettschef war, in Angriff nehmen. Der König hat seinen Rückhalt in der Armee und bei den ostjordanischen Beduinen-Stämmen.

          Doch auch in Jordanien könnten die Ereignisse so eskalieren, dass man für nichts mehr garantieren kann. Die Mehrheit der jordanischen Bevölkerung besteht aus Palästinensern und war dem haschemitischen Thron in Amman nicht immer nur gewogen.

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