https://www.faz.net/-gpf-6m18h

Kommentar : In Flammen aufgegangen

  • -Aktualisiert am

Was sich seit Beginn dieser Woche im Kosovo abspielt, schreckt auf. Serben und Albaner gehen wieder mit Gewalt aufeinander los. Den Europäern und Amerikanern wird nichts anderes übrig bleiben, als die Zügel wieder straffer anzuziehen.

          1 Min.

          Der Westen hat sich gerade erst in Libyen auf einen neuen Krieg eingelassen, da wird er auf raue Art und Weise daran erinnert, welches Konfliktpotential noch manch befriedet geglaubter Altfall birgt. Was sich seit Beginn dieser Woche im Kosovo abspielt, schreckt auf. Mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Krieges, mehr als drei Jahre nach der Unabhängigkeit des Kosovos und nach ungezählten (Geld-)Geschenken aus Brüssel gehen Serben und Albaner wieder mit Gewalt aufeinander los, als seien sie alleine auf der Welt.

          Zum Glück haben nicht alle Nato-Mitglieder diesen Schauplatz schon verlassen, wie etwa die Briten. Noch hat die Schutztruppe Kfor genug Soldaten, um für Ordnung zu sorgen. (Das sollte allzu eifrigen Abzugsplänen an anderen Einsatzorten eine Mahnung sein.)

          Gegenüber der kosovarischen Führung sollte man keine Nachgiebigkeit zeigen

          In diesem Konflikt einen Schuldigen auszumachen, war noch nie besonders einfach, dazu sind die balkanischen Händel oft zu undurchsichtig. Es fällt allerdings auf, dass der kosovarische Ministerpräsident Thaci offenbar losgestürmt ist, ohne die amerikanische Regierung, die EU oder die Nato um Erlaubnis zu fragen. Weder in Brüssel noch in Washington hätte man ihm wohl dazu geraten, den Zollstreit mit Serbien durch ein riskantes Hauruckmanöver zu lösen. Aber natürlich ist die serbische Seite auch nicht viel besser, denn auf Provokationen sollte man nicht mit Gewalt antworten. Immerhin hat Präsident Tadic die Vorfälle verurteilt.

          So kommt Europa bei der Lösung dieses Problems derzeit nicht einmal mit den Trippelschritten voran, auf die sich die EU zuletzt verlegt hat. Noch vor einigen Wochen hatten beide Seiten unter Brüsseler Aufsicht praktische Vereinbarungen für ihre Bürger getroffen, die die heikle Statusfrage ausklammern. Diese Methode ist jetzt am Grenzübergang Jarinje fürs erste in Flammen aufgegangen. Vermutlich wird den Europäern und Amerikanern nichts anderes übrig bleiben, als die Zügel wieder straffer anzuziehen.

          Im Verhältnis zu Serbien hat es sich ausgezahlt, dass der Westen auf der Auslieferung der letzten Kriegsverbrecher bestanden hat. Gegenüber der kosovarischen Führung sollte man jetzt keine Nachgiebigkeit zeigen. Denn die will schließlich in die EU.

          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.