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Kommentar : Hilfswelle

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Dt. Diese Woche Jakarta, nächste Woche Genf - eine Geberkonferenz jagt die nächste. Nach der verheerenden Flutwelle, die das Seebeben vor Sumatra ausgelöst hat, nimmt die Welle der Hilfsaktivitäten Ausmaße an, die gleichfalls noch diesen und jenes unter sich begraben könnten.

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          Dt. Diese Woche Jakarta, nächste Woche Genf - eine Geberkonferenz jagt die nächste. Nach der verheerenden Flutwelle, die das Seebeben vor Sumatra ausgelöst hat, nimmt die Welle der Hilfsaktivitäten Ausmaße an, die gleichfalls noch diesen und jenes unter sich begraben könnten. Von Reissäcken, die aus Hubschraubern abgeworfen werden, können auch Menschen erschlagen werden, aber das ist vielleicht die geringste Sorge. Ernster zu nehmen sind die Gefahren, die allein von dem massiven Auftreten ausländischer Streitkräfte und Großorganisationen in der Region ausgehen. Mangels adäquater Partner in den betroffenen Ländern werden sie vieles selbst in die Hand nehmen, was sie für notwendig halten, und dabei durch ihre schiere logistische Überlegenheit alles auf die Seite drängen, was sich ihnen an Eigeninitiativen in den Weg stellt. Es wäre nicht das erste Mal, daß westliche Hilfe nicht zur Selbsthilfe ertüchtigt, sondern vorhandene Strukturen zerstört und Abhängigkeiten schafft.

          Schon der sicher gut gemeinte und noch besser klingende Vorschlag eines Schuldenerlasses für die heimgesuchten Länder stößt keineswegs auf ungeteilte Freude. Indonesien hat bereits wissen lassen, daß es um diese Großzügigkeit nicht gebeten habe. Es fürchtet, durch einen Schuldenerlaß seine Kreditwürdigkeit auf dem internationalen Kapitalmarkt zu verschlechtern. Neben Indonesien stehen auch Thailand und Indien selbst nach der Katastrophe wirtschaftlich noch weit besser da als manche afrikanischen und südamerikanischen Schuldner.

          Die internationale "Koordination" der Hilfe hat sich bisher vorwiegend in einem Wettstreit staatlicher Hilfszusagen manifestiert. Deutschland hat sich dabei mit dem größten Betrag hervorgetan. Mußte es der größte sein? Wird nicht auch dadurch der überaus erfreulichen Hilfsbereitschaft der Deutschen schon wieder der Boden entzogen? Jeder weiß, daß die halbe Milliarde Euro, die Schröder nun zugesagt hat, von den Steuerzahlern aufgebracht werden muß - nur ist ihnen in diesem Fall die Entscheidung darüber genommen, wofür und in welcher Höhe sie in ihrem ganz privaten Bereich Konsumverzicht leisten wollen. Schröders Stolz auf die Spendenbereitschaft der Deutschen dürfte daher nicht von allen erwidert werden.

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