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Kommentar : Französische Kumpanei

  • -Aktualisiert am

Strenge Richtlinien: Präsident Sarkozy (r.) will, dass seine Regierungsmannschaft von nun an in Frankreich Urlaub macht Bild: Reuters

Nach dem Doppelfiasko des Premierministers und der Außenministerin hat Präsident Sarkozy für seine Regierungsmannschaft strenge Richtlinien erlassen: Künftig sollen alle in Frankreich Urlaub machen. Für einen Staatschef, der selbst in einem monumentalen Glashaus sitzt, klingt das seltsam.

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          Aus übergeordneter Sicht kann es dem französischen Präsidenten Sarkozy nicht recht sein, dass sein Regierungschef und seine Außenministerin sich ihre Jahresend-Urlaube (zum Teil) von arabischen Autokraten haben spendieren lassen: bei Frau Alliot-Marie und ihrem Mann, der ebenfalls Minister ist, geht es, soweit bekannt, um zwei Flüge innerhalb Tunesiens; Premierminister Fillon war mit seiner vielköpfigen Familie etwa eine Woche lang Gast des ägyptischen Präsidenten Mubarak.

          Unter dem Gesichtspunkt innerparteilicher Rivalitäten mag Sarkozy aber auch eine gewisse Schadenfreude empfinden, vor allem was Fillon angeht: Der Regierungschef stand in den Umfragen stets besser da als sein Chef. Bei der Regierungsumbildung im November wagte Sarkozy es nicht einmal, ihn zu entlassen, weil er sonst eine Revolte der UMP-Abgeordneten in der Nationalversammlung hätte befürchten müssen. Zudem hatte sich Fillon mit einem bescheidenen Lebensstil und mit seiner Abneigung gegen die glamouröse Umgebung Sarkozys als Gegenpol zum Staatspräsidenten profiliert, damit auch als Rivale. Diese Aura ist vorerst einmal verblasst.

          Dass die Opposition dieses Doppelfiasko des Premierministers und der Außenministerin (die im Kabinett durch ihren Rang als Staatsministerin herausgehoben ist) nicht stärker ausschlachtet, dürfte auch mit der Befürchtung zu tun haben, in Mubaraks Gästebuch könnten sich noch andere Namen finden: So hat François Mitterrand, ein notorischer Nichtzahler, im Angesicht des nahenden Todes noch eine Reise mit seiner unehelichen Tochter Mazarine zu den ägyptischen Altertümern unternommen, um bei den Monumenten politischer Unsterblichkeit Trost zu suchen.

          All diese Vorgänge beleuchten die Kumpanei, die es in der französischen Politik parteiübergreifend mit Autokraten und Potentaten der arabischen und afrikanischen Welt gibt. Sarkozy hat für seine Regierungsmannschaft nun strenge Richtlinien erlassen: künftig sollen sie in Frankreich Urlaub machen. Das klingt seltsam bei einem Staatschef, der selbst in einem monumentalen Glashaus sitzt, weil er seit jeher schamlos die Fazilitäten nutzt, die ihm seine reichen Freunde (und die seiner Frau) zur Verfügung stellen. Diese neofeudalen Verhältnisse tragen zu der Verachtung bei, welche die Franzosen für ihre gesamte politische Klasse empfinden.

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