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Kommentar : Elite muss nicht elitär sein

  • -Aktualisiert am

Förderung für Hochbegabte: Sankt Afra-Gymnasium in Meißen Bild: dpa

Das Meißener Internatsgymnasium Sankt Afra für Hochbegabte bereichert seit heute die deutsche Schullandschaft. Ein Kommentar.

          Solch eine Atmosphäre wäre allen Schülern in Deutschland zu wünschen: Die Jungen und Mädchen in der Klasse sind hungrig nach Bildung - konzentriert, engagiert. Lernwillige Lehrer sprechen von Berufung statt Beruf, von einer faszinierenden Gemeinschaft - motivierend, euphorisierend. Dieses Ideal will das bundesweit erste staatliche Gymnasium für Hochbegabte in Meißen nun mit Leben erfüllen. Eine Bereicherung der Schullandschaft.

          Lange Zeit galt Elitebildung als Tabu. Warum noch diejenigen fördern, die ohnehin begünstigt erschienen, so lautete die missgünstige Frage. Doch Begabtenförderung darf nicht missverstanden werden. Es geht nicht um individuelle Privilegien, teure Internate oder elitäre Wissenschaftszirkel. Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft junger Bildungseliten haben eine gesellschaftliche Bedeutung, wenn die Schulen vermitteln, dass auch geistiges Eigentum verpflichtet.

          Mehr Freiheit, Vielfalt, Wettbewerb

          Wenn eine Gesellschaft dringend auf intelligente Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen ist, Greencards und Zuwanderungsgesetze ersinnt, dann darf sie gleichzeitig nichts unversucht lassen, um die eigenen Jugendlichen optimal zu fördern - und das möglichst früh. Erst dann werden Sonntagsreden über die viel zitierte kostbare Ressource unserer jungen Menschen zu glaubhaften politischen Haltungen.

          Als in den siebziger Jahren die Gesamtschulen entstanden, spiegelten sie die Demokratisierung der Gesellschaft, reflektierten eher den Wunsch nach (Chancen-) Gleichheit als nach Freiheit. Heute ist die bildungspolitische Diskussion zum Glück mindestens einen Schritt weiter. Die Kultusminister haben sich ausdrücklich mit Öffnungsbeschlüssen Experimente zugestanden, um mehr Freiheit und damit mehr Vielfalt zu ermöglichen: Ein belebender Wettstreit um die klügsten Köpfe im Land, wie sich jetzt zeigt. Sankt Afra hätte mindestens doppelt so viele Schüler aufnehmen können, ginge es nur nach der Zahl der Bewerbungen. Das Bedürfnis nach guter Bildung gibt es also.

          Unvoreingenommene Diskussion notwendig

          Dass auch hoch intelligente Kinder besonders gefördert werden müssen, damit ihre Talente nicht verkümmern, ist unstreitig - nicht aber das Wie. Sollen sie schneller lernen dürfen oder mehr? Allein diese Alternative birgt die Chance auf belebende Konkurrenz der Bildungsangebote, auch in der Regelschule. Warum soll es nicht acht- und neunjährige Gymnasialzüge nebeneinander geben, mit oder ohne Profilzug, mit oder ohne Ganztagesangebot?

          Wenn der Akzent weniger auf gängelnde Gleichmacherei gesetzt wird, entkrampft sich automatisch die Diskussion um den Elite-Begriff. Er verdient Unvoreingenommenheit. Dann kann Sankt Afra Schule machen.

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