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Kommentar : Ein guter Tag für Serbien

Die Festnahme Ratko Mladics dokumentiert die Bereitschaft Belgrads, sich den dunklen Abschnitten der eigenen Vergangenheit zu stellen. Das kann freilich nur der Anfang sein. Die Festnahme war nicht eine Vorauszahlung, sondern eine serbische Bringschuld.

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          Als die serbische Regierung im Juli 2008 die Festnahme des ehemaligen bosnischen Serbenführers Karadzic bekanntgab, da wusste man: Das „neue“ Belgrad meint es ernst mit der Suche nach den letzten noch flüchtigen Angeklagten des Kriegsverbrechertribunals in Den Haag. Die Regierung unter Staatspräsident Tadic war damals erst wenige Tage im Amt.

          Zuvor, bei der Parlamentswahl im Mai 2008, war Serbiens oberster Reformverhinderer Kostunica abgewählt worden. Nach Jahren des Verzögerns und des Täuschens bedeutete das einen wichtigen Einschnitt in Serbiens Nachkriegsgeschichte. Seit der Verhaftung Karadzics war klar: Sollte der ehemalige General Ratko Mladic noch am Leben und in Serbien sein, wird man ihn eines Tages finden.

          Belgrad stellt sich den dunklen Abschnitten der eigenen Vergangenheit

          Dieser Tag ist nun gekommen. Es ist ein guter Tag für Serbien, aber auch für Bosnien-Hercegovina und für den gesamten Balkan. Als Mladic am 11. Juli 1995 mit seinen bosnisch-serbischen Truppen die (vermeintliche) UN-Schutzzone Srebrenica im Osten Bosniens einnahm, posierte er stolz vor einer Kamera und sagte, es handele sich um einen großen serbischen Festtag.

          Das war auf tragische Weise wahr. Denn das Massaker von Srebrenica, bei dem mehrere tausend bosnische Muslime von Truppen unter Mladics Befehl ermordet wurden, ist ein besonders dunkler Abgrund in der serbischen Geschichte. Mladics Verhaftung kann dieses und andere Verbrechen nicht ungeschehen machen, doch dem 11. Juli 1995 wird fortan der 26. Mai 2011 gegenüberstehen: Der Tag dokumentiert die Bereitschaft Belgrads, sich den dunklen Abschnitten der eigenen Vergangenheit zu stellen.

          Das kann freilich nur der Anfang sein. Die Festnahme Mladics war nicht etwa eine Vorauszahlung Serbiens auf einen EU-Beitritt, wie manche Belgrader Politiker es nun darzustellen suchen, sondern eine serbische Bringschuld, die lange überfällig war. Sobald die Genugtuung über den großen Fang dem Alltag gewichen ist, werden in Serbien die anderen Hürden auf dem Weg in die Europäische Union wieder ins Blickfeld rücken. Vor allem muss Belgrad eine Lösung für den Umgang mit dem Kosovo finden. Niemand verlangt - und kann verlangen -, dass Belgrad seine einstige Provinz als unabhängigen Staat anerkennt. „Unterhalb“ einer formalen Anerkennung muss aber eine Lösung gefunden werden.

          Michael Martens

          Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Wien.

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