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Kommentar : Ein doppelter Schatten

  • -Aktualisiert am

Dominique Strauss-Kahn: Vor der Freilassung aus dem Hausarrest Bild: dpa

Der „Fall DSK“ nimmt eine spektakuläre Wende. Die Staatsanwälte in New York sehen ihre Anklagen in sich zusammenfallen. Gleichwohl wirft die Affäre einen doppelten Schatten auf die französischen Sozialisten.

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          Der „Fall DSK“ nimmt eine spektakuläre Wende. Die Staatsanwälte in New York, die bis vor kurzem noch von schlüssigen Beweisen gegen den ehemaligen Direktor des Internationalen Währungsfonds sprachen und der Hotelangestellten, die Dominique Strauss-Kahn angeblich brutal vergewaltigt hatte, hohe Glaubwürdigkeit bescheinigten, sehen ihre Anklagen in sich zusammenfallen: Das vermeintliche Opfer ist offenbar in kriminelle Machenschaften verstrickt und der mehrfachen Lüge überführt. Das wiegt besonders schwer, wenn es keine Zeugen gibt und das Gewicht der Beweise mit der Glaubwürdigkeit der Beteiligten wächst oder sinkt.

          Strauss-Kahn hatte kurze Zeit vor der New Yorker Affäre, damals noch Favorit der Vorwahlen für den sozialistischen Präsidentschaftskandidaten, darüber räsoniert, dass man ihm möglicherweise eine Falle stellen werde. In diesem Zusammenhang hatte er selbst als Schwachpunkt seine Neigung zu Frauen genannt. Die Wende in New York wird deshalb Spekulationen über eine Verschwörung gegen den aussichtsreichsten Herausforderer Präsident Sarkozys wieder Auftrieb geben. Darauf gibt es zwar bisher keine Hinweise; aber die abgehörten Telefon-Äußerungen der Hotelangestellten über finanzielle Vorteile aus der Affäre liefern genug Nährboden für neue Verdächtigungen.

          Ob Strauss-Kahn Zeit hat und die Gelegenheit bekommt, die Vorwahlen noch einmal aufzumischen, ist dennoch fraglich. Seine Freunde in der Sozialistischen Partei wollen daran glauben, aber die Diskussion über den „machismo“ der französischen Männerwelt hat den Horizont seines Falles längst überschritten. Vorher wäre eine konsensuelle (womöglich bezahlte) Sexaffäre mit einem Zimmermädchen – die es in New York anscheinend gab – kein Gegenstand für die Öffentlichkeit gewesen.

          Doch nach der erregten Debatte über Macht und Sex wird das in einem anderen Licht gesehen. Nicht nur weil einige prominente Sozialisten dabei keine gute Figur gemacht haben, steht die Partei jetzt schlecht da. Der „Fall DSK“ wirft einen doppelten Schatten auf sie: In New York ist offenbar geworden, dass ihr früherer Spitzenmann ein stinkreicher Schürzenjäger ist, was die Anziehungskraft der Partei für linke Wähler schmälert. Kommt DSK zurück, erscheinen die jetzigen Vorwahlkandidaten noch mehr als zweite Garnitur.

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