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Kommentar : Dünne Schicht

bko. Die Staatsmänner sind entsetzt: So schön versöhnt waren die Deutschen schon mit ihren Nachbarn, und nun das. Nicht nur in der Höhle des Löwen, in Warschau, mußte Erika Steinbach Angriff auf Angriff aushalten, mancher davon weit unter Niveau.

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          Die Staatsmänner sind entsetzt: So schön versöhnt waren die Deutschen schon mit ihren Nachbarn, und nun das. Nicht nur in der Höhle des Löwen, in Warschau, mußte Erika Steinbach Angriff auf Angriff aushalten, mancher davon weit unter Niveau.

          Auch in Deutschland selbst gelten die Vertriebenen-Präsidentin und ihr Projekt eines "Zentrums gegen Vertreibungen" vielen als Störenfriede einer hellen europäischen Gegenwart und Zukunft, in denen die finsteren Kapitel der Vergangenheit keine Rolle mehr spielen (dürfen). Doch daß die Wunden, die sich Europas Völker im vergangenen Jahrhundert schlugen, weiter schwären und schmerzen, zeigt sich immer dann, wenn jemand an der dünnen Schicht der staatlich erzeugten Formelkompromisse oder an den Deutungsrichtlinien derjenigen im In- und Ausland kratzt, die ein Direktionsrecht für den Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte geltend machen.

          So fand auch die grenzüberschreitende Allianz jener zusammen, für die der Gedanke einer Berliner Erinnerungsstätte für eines der Traumen der Deutschen, die Vertreibung aus Europas Osten, unerträglich ist, weil sie zeigen müßte, daß Schuld nicht nur eine deutsche Kategorie war. Ganz unverständlich sind der polnische und der tschechische Protest nicht. Vieles könnte ans Licht kommen, das keiner (mehr) sehen will. Man erinnere sich, wo die deutsche "Vergangenheitsbewältigung" dreizehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Diktatur stand.

          Um so wichtiger wäre es freilich, daß jene Polen und Tschechen, die wissen, wie intensiv das demokratische Deutschland sich seither mit den Verbrechen des Hitler-Regimes auseinandergesetzt und welche Schlüsse es daraus gezogen hat, der Hysterie entgegenwirkten. Auch der deutsche Bundeskanzler und sein Außenminister hätten freilich davon absehen sollen, der unbegründeten Sorge über einen aufkeimenden deutschen Geschichtsrevisionismus Vorschub zu leisten.

          Statt dessen hätten sie den Nachbarn verdeutlichen müssen, daß auch Deutschland das Bedürfnis, das Recht und die Pflicht hat, sich seiner ganzen Geschichte zu stellen - und sich mit den Vertriebenen zu versöhnen, deren Leid und Verlust jahrzehntelang mißachtet worden sind. Das "Zentrum gegen Vertreibungen" könnte dafür ein Symbol sein. Auch deswegen wird es bekämpft.

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