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Kommentar : Druck auf Gaddafi

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Der libysche Staatschef Gaddafi bei seiner Rede am Dienstag im Staatsfernsehen Bild: dpa

Stürzt der Libyer Gaddafi — als Dritter nach dem Tunesier Ben Ali und dem Ägypter Mubarak — werden weitere Domino-Effekte immer wahrscheinlicher. Nicht umsonst hat der saudische König Abdullah seinen Untertanen nun finanzielle Wohltaten angekündigt.

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          Der libysche Revolutionsführer Gaddafi glaubt offenbar, sich mit Hilfe von Teilen der Armee, die weiter zu ihm halten, und mit angeworbenen Söldnern an der Macht halten zu können. Unmöglich ist das nicht. Denn vor allem die Söldner scheinen mit äußerster Härte gegen die Bevölkerung vorzugehen.

          Die wichtigsten Stämme des Landes, allen voran die Warfalla, haben Gaddafi freilich die Gefolgschaft aufgekündigt. Und die internationale Gemeinschaft beginnt, die Schlinge um seinen Hals enger zu ziehen. Nicht ohne Hintergedanken spricht der luxemburgische Außenminister Asselborn von einem „Völkermord in höchster Potenz“, der sich in Libyen vollziehe; und schon ist von amerikanischen Flugzeugträgern die Rede, die vor der libyschen Küsten einlaufen könnten.

          Zudem läuft dem Libyer das eigene diplomatische Personal davon. Auch der Innenminister hat die Seite gewechselt und hält nun zur Opposition. Dass Länder wie Deutschland oder gar die Türkei — in Libyen leben etwa 25.000 türkische Gastarbeiter — ihre Landsleute nach Hause holen, deutet darauf hin, dass in Gaddafis Reich jede Art von Ordnung zusammengebrochen ist und für viele Menschen Gefahr für Leib und Leben besteht. Auch die ägyptischen Arbeiter verlassen das Land.

          Menschenrechtsorganisationen fordern, man müsse Gaddafi, dessen Luftwaffe in Tripolis offenbar Demonstranten bombardiert hat, in Den Haag den Prozess machen. Sogar die Arabische Liga ließ sich endlich vernehmen: Sie schloss Libyen von ihrer nächsten Sitzung aus. Dies alles könnte den Druck erzeugen, den sich die Opposition wünscht, um Gaddafi endgültig zu Fall zu bringen.

          Stürzte Gaddafi — als Dritter nach dem Tunesier Ben Ali und dem Ägypter Mubarak — erhöhte sich damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Domino-Effekte. Nicht umsonst hat der saudische Monarch, der 86 Jahre alte König Abdullah, aus Anlass seiner Rückkehr von einer längeren medizinischen Behandlung im Ausland seinen Untertanen Salär-Erhöhungen, Schuldenerlasse und andere Wohltaten angekündigt.

          Nicht anders als mit großer Sorge dürften die Ölprinzen im saudischen Königreich zur Kenntnis genommen haben, dass Demonstranten in dem kleinen Inselstaat Bahrein inzwischen auch die Herrschaft der Al Chalifa-Dynastie in Frage stellen. Und Konfliktpotential ist auch in Saudi-Arabien genug vorhanden.

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