https://www.faz.net/aktuell/politik/kommentar-die-rundschau-am-ende-11959447.html
 

Kommentar : Die Rundschau am Ende

  • -Aktualisiert am

Nach der Insolvenz bleibt nur wenig Hoffnung für die Mitarbeiter Bild: dpa

Nicht nur der allgemeine Leserschwund, unter dem viele Zeitungen leiden, hat zum Ende der „Rundschau“ geführt. Das links-grüne Blatt hielt trotz schwindender Leserschaft zu lange am überregionalen Anspruch fest.

          1 Min.

          Was hat die „Frankfurter Rundschau“ nicht alles versucht: Sparrunden, Gehaltsverzicht der Belegschaft, die Umstellung auf das kleinere Papierformat, eine Redaktionsgemeinschaft mit anderen Blättern aus der Dumont-Verlagsgruppe. Geholfen hat es nicht. Weil sie überschuldet ist, hat die Zeitung, die immerhin seit dem 1. August 1945 erscheint, Insolvenz angemeldet.

          Allgemeine und besondere Ursachen kommen zusammen. Die deutschen Tageszeitungen - nicht jede einzelne, aber die Gattung insgesamt - verlieren Leser. Dieser Entwicklung, deren Ursache nicht nur das Internet ist, war die „Frankfurter Rundschau“ im besonderen ausgesetzt. Das links-grüne Blatt machte eine bleierne Phase durch, in der die Zeitung für viele schlicht langweilig, weil vorhersehbar wurde, während auf ihrem politischen Terrain die „taz“ frischer und frecher wirkte.

          Und obschon die Leserschaft außerhalb Frankfurts schwand, hielt der Verlag an dem überregionalen Anspruch fest, erkauft mit hohen Vertriebskosten. Als die Zeitung wieder munterer wurde, war es zu spät. Der Einstieg der SPD-Medienholding und später des Kölner Verlages Dumont-Schauberg verschaffte der „Rundschau“, wie sich jetzt zeigt, nur einen Aufschub. Beide Gesellschafter glichen jahrelang Millionenverluste aus, die weiter zu tragen sie nun nicht mehr bereit sind.

          Für die gedruckten Medien kommt derzeit auf jede gute Nachricht eine schlechte - oder umgekehrt. Das Magazin „Newsweek“ stellt am Jahresende seine Papierversion ein, die „Financial Times Deutschland“ steht auf der Kippe. Andererseits hat sich Warren Buffett, ein Mann, der sich aufs Geldverdienen versteht, an 63 amerikanischen Zeitungen beteiligt - nicht aus Mitleid, wie man vermuten darf. Und hierzulande gibt es Hinweise darauf, dass der Leserschwund zum Stillstand kommt.

          So oder so sollte das ungewisse Schicksal der „Frankfurter Rundschau“ einer an die Gratismasche der digitalen Welt gewöhnten Gesellschaft Anlass zum Nachdenken darüber geben, was ihr unabhängige Zeitungen und eine Vielfalt der Stimmen wert sind.

          Die Basislektion lautet: Gratismahlzeiten gibt es nicht. Wer für guten Journalismus nicht gutes Geld ausgeben will, liefert sich dem Kommerz und den Suchmaschinen aus, die gierig sind auf unsere Daten. Und wenn die letzte anständige Zeitung verschwunden ist, bleibt nur noch das Geschwätz.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elon Musk verlässt das Gerichtsgebäude in San Francisco.

          Umstrittene Tweets : Elon Musk triumphiert vor Gericht

          Im Prozess um Twitter-Einträge zu einem angeblichen Börsenrückzug von Tesla stellen sich die Geschworenen auf die Seite des Multimilliardärs. Und brauchten für diese Entscheidung nur wenige Stunden.
          Der Commerzbank-Tower in Frankfurt am Main.

          Index-Rückkehr : Die Commerzbank kommt für Linde in den Dax

          Mit einer Hauruck-Aktion erfüllt die Commerzbank auf den letzten Drücker noch die Dax-Kriterien. Sofern nichts Außergewöhnliches mehr dazwischenkommt, nähert sich für die Bank eine schmerzhafte Zeit dem Ende.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.