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Kommentar : Die europäische Idee

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Nm. Simone Veil, die als junge Frau der Hölle des Vernichtungslagers entkam, hat bei der Gedenkfeier in Auschwitz, zusammen mit anderen Überlebenden, erschüttert und erschütternd noch einmal Zeugnis abgelegt vom absoluten Grauen; ...

          Nm. Simone Veil, die als junge Frau der Hölle des Vernichtungslagers entkam, hat bei der Gedenkfeier in Auschwitz, zusammen mit anderen Überlebenden, erschüttert und erschütternd noch einmal Zeugnis abgelegt vom absoluten Grauen; daneben verblassen Politikerreden auch dann, wenn sie das Richtige richtig sagen.

          Frau Veil hat nach dem Krieg den Weg in die Politik eingeschlagen, zunächst in die nationale, dann in die europäische: Sie war von 1979 bis 1982 Präsidentin des ersten direkt gewählten Europäischen Parlaments. So viele Zufälle es auf einem Lebensweg, zumal auf einem politischen, auch geben mag: der Wille zum Mitgestalten und insbesondere das Engagement für die europäische Einigung waren in dieser Generation eine geradezu zwingende Konsequenz aus der Entschlossenheit, "nie wieder" einen Absturz in die Barbarei zu dulden und der Selbstzerstörung Europas ein für allemal einen Riegel vorzuschieben. Es ist deshalb wiederum kein Zufall, daß viele Ideen und Pläne für ein gemeinsames Europa im Widerstand gegen die Nationalsozialisten entstanden sind.

          Solche Motive rücken, annähernd drei Generationen später, zunehmend in den historischen Hintergrund. Die sogenannte Ost-Erweiterung der Europäischen Union im Gefolge der Wiedervereinigung des alten Kontinents entsprach zwar unzweifelhaft auch einer geschichtlichen und politischen Logik. Doch inzwischen legt sich über die Zukunft dieser Union immer mehr Nebel: Es ist unsichtbar geworden, wo ihre Grenzen verlaufen, und es ist unsicher, ob ihre Mitglieder noch den Willen und die Kraft haben, die auseinanderlaufenden Interessen zu bündeln. Wolfgang Schäuble, der zusammen mit dem damaligen außenpolitischen Sprecher der CDU im Bundestag, Karl Lamers, schon einmal ein Konzept vorgelegt hatte, welches die europapolitische Debatte lange Zeit bestimmt hat, nimmt den Faden von damals nun wieder auf (siehe "Die Gegenwart"). Dabei geht es um die Grenzen Europas und das Verhältnis zu seinen Nachbarn, um eine europäische Armee und um die Reform von Institutionen und Prozeduren. Manches davon klingt wie Utopie. Doch war das Europa, das jene erdacht haben, die vom Abgrund nicht verschlungen worden waren, nicht auch eine Utopie?

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