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Kommentar : Der heiße und der kalte Krieg

Endlich Krieg? Die Schlagzeilen vom Sommer 1914 kehren nicht wieder, nicht einmal in Amerika, dem das "alte" Europa sich in Erfahrung und Weitsicht haushoch überlegen fühlt, ohne die Armseligkeit seiner politischen und militärischen Macht vergessen zu können.

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          Endlich Krieg? Die Schlagzeilen vom Sommer 1914 kehren nicht wieder, nicht einmal in Amerika, dem das "alte" Europa sich in Erfahrung und Weitsicht haushoch überlegen fühlt, ohne die Armseligkeit seiner politischen und militärischen Macht vergessen zu können. Die Bitterkeit der Reaktionen auf Bushs Unbeugsamkeit, zu spüren nicht zuletzt in der Ansprache des Bundeskanzlers, speist sich denn auch aus zwei Quellen. In dem nicht leicht zu entkräftenden Vorwurf der Achsen-Europäer, die Vereinigten Staaten brächen mit ihrer Entscheidung zum Krieg gegen Saddam Hussein aus dem Regime des Völkerrechts aus, steckt auch das Eingeständnis der eigenen Niederlage.

          Deutschen, Franzosen und Russen gelang es nicht, die Amerikaner und ihre treuesten Verbündeten, die Briten, auf dem Weg zu halten, den sie als den rechten ansehen. Dieser Versuch scheiterte nicht nur an amerikanischer "Kriegslüsternheit"; um die angemessene Reaktion auf die Bedrohung durch einen Diktator mit Massenvernichtungswaffen ging es nur anfänglich.

          Ordung der Welt im Mittelpunkt

          Zersetzend auf bilaterale Beziehungen, auf ein Bündnis wie die Nato und das europäische Einigungsprojekt, kurz: auf die politische und kulturelle Gemeinschaft, die man bis vor kurzem noch "den Westen" nennen konnte, wirkte der Streit aus einem anderem Grund: Er dreht sich um die Ordnung einer Welt, die nur noch eine Weltmacht kennt. Für die Achsen-Europäer unter Führung Frankreichs - das Schröders unbedachte Vorleistungen aus dem Wahlkampf dankbar aufgriff - ist die Irak-Krise Anlaß und Grund für den Versuch gewesen, Amerika einzuhegen. Der ist mißlungen. Oder doch nicht? Jenseits der "üblichen Verdächtigen" scharten sich am Ende nicht mehr viele Verbündete um Washington. Möglicherweise betrachtet es mancher "alte" Europäer insgeheim als Erfolg, die Amerikaner gezwungen zu haben, ihr "wahres", von imperialer Gesinnung verzerrtes Gesicht zu zeigen.

          An den Tatsachen, daß die Macht der UN nur eine geliehene ist (meistens und zum größten Teil von Amerika), daß die Welt auf Ordnungsmacht und Ordnungswillen Washingtons (noch) nicht verzichten kann und daß das zerstrittene Europa weit von dem ersehnten Tag entfernt ist, der Hypermacht diese Rolle wenigstens in seiner Nachbarschaft streitig zu machen, ändern solches Triumphe jedoch nichts. Washington wird auch im Irak erleben, daß es zum Führen und Gewinnen eines Krieges nicht auf Verbündete angewiesen ist, wohl aber beim politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau.

          Es gibt eine Chance, daß Amerika und Europa auf diesem Weg aus ihrem Kalten Krieg herausfinden und die UN wieder zum Zentrum der Entscheidungen werden. Voraussetzung für die Erhaltung des Bündnisses zwischen Amerika und Europa als Stabilitätskern der Weltordnung ist jedoch, daß Einigkeit zwischen ihnen hergestellt wird, wie diese Ordnung beschaffen sein und wer in ihr führen soll. Diese Einigkeit herzustellen scheint heute allerdings keine geringere Herausforderung zu sein als die Demokratisierung Arabiens.

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