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Kommentar : Das Daimler-Duo

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hap. Bewährung konnte es nicht geben. Für beide nicht. Bei der Aufsichtsratssitzung von Daimler-Chrysler ging es für den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp und seinen Aufsichtsratschef Hilmar Kopper um Sieg oder Niederlage.

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          hap. Bewährung konnte es nicht geben. Für beide nicht. Bei der Aufsichtsratssitzung von Daimler-Chrysler ging es für den Vorstandsvorsitzenden Jürgen Schrempp und seinen Aufsichtsratschef Hilmar Kopper um Sieg oder Niederlage. Wäre Schrempp gefallen, hätte auch Kopper gehen müssen. Aber nach nicht einmal einer Stunde war die Sache entschieden: Schrempp und Kopper sind die Sieger der Machtprobe. Schrempp wird den Automobilkonzern weiterhin führen, Kopper ihn begleiten. Auf seinen Aufsichtsratsvorsitzenden kann sich Schrempp verlassen.

          Gründe für eine Abberufung Schrempps hätte es genug gegeben. Einige reichen in die weitere Vergangenheit zurück, als er die Verantwortung für die amerikanische Nutzfahrzeugsparte von Daimler-Benz, die Deutsche Aerospace (Dasa), die AEG oder für Fokker trug. Das sind allesamt keine Erfolgsgeschichten. Viel mehr wird der Name Schrempp freilich mit der angeblichen Hochzeit im Himmel in Verbindung gebracht, jener als Fusion getarnten Übernahme des amerikanischen Autoherstellers Chrysler. Seit 1998 verspricht die Führungscrew nun den Aktionären, mit einer schlagkräftigen Welt AG die Konkurrenz das Fürchten zu lehren und die Kassen nur so klingeln zu lassen. Statt dessen hat sich der Aktienkurs seit dem Zusammenschluß mehr als halbiert; Milliarden Euro Aktionärsvermögen lösten sich in Luft auf.

          Wahrlich kein Meisterstück war auch die Entscheidung, nicht bei der mittlerweile für Renault fröhlich Gewinne abwerfenden japanischen Gesellschaft Nissan einzusteigen, sondern bei Mitsubishi Motors - mit dem bekannten Ergebnis eines schmerzhaften Ausstiegs vor wenigen Tagen. Daß kurz vor dem öffentlichen Eingeständnis des Mitsubishi-Debakels Schrempp mit Hilfe Koppers seinen Vertrag bis 2008 verlängert bekam, hinterläßt einen schalen Beigeschmack. Weil in einer derart spannungsgeladenen Situation offenbar ein Opfer notwendig war, muß jetzt der designierte Mercedes-Chef Wolfgang Bernhard daran glauben. Warum der bis gestern als Nachwuchsstar geltende Jungmanager plötzlich nicht mehr tauglich ist, läßt sich nur erraten. Hat er gegen Schrempp aufbegehrt? Die Geschichte Daimler-Chrysler wird noch viele Kapitel füllen. Erfreulich ist sie nicht.

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