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Kommentar : Blutiger Freitag

  • -Aktualisiert am

Das Projektil eines Schnellfeuergewehrs hat Tür des Marhaba Hotels im tunesischen Port El Kantaoui durschlagen. Dahinter Überlebende des Anschlags. Bild: dpa

Ob die drei Anschläge in Tunesien, Frankreich und Kuweit zusammenhängen, ist unklar. Aber alle drei sind Belege dafür, dass sich der gewalttätige Islamismus derzeit nicht auf den Schlachtfeldern des Iraks und Syriens binden lässt.

          Die drei Anschläge vom Freitag haben vielleicht nicht direkt etwas miteinander zu tun, denn sie fanden an weit entfernten Orten statt und richteten sich gegen ganz unterschiedliche Ziele: In Tunesien wurden Touristen angegriffen, in Frankreich eine Fabrik, in Kuweit eine Moschee. Aber alle drei sind Belege dafür, dass sich der gewalttätige Islamismus derzeit nicht auf den Schlachtfeldern des Iraks und Syriens binden lässt.

          Der „Islamische Staat“ hat sich zunächst nur zu der Tat in Kuweit bekannt, aber ohne Zweifel spielt er auch in den anderen beiden Fällen eine Rolle. Das selbsternannte Kalifat ist für Salafisten in vielen Ländern zur wichtigsten Inspirationsquelle, teils sogar zum regelrechten Verbündeten geworden. „Al Qaida“, sein Vorgänger und Rivale, hat das nie in gleichem Maß geschafft. Das dürfte viel damit zu tun haben, dass der IS mit einem eigenen Territorium und einem Heilsversprechen lockt, das schon im Diesseits konsumiert werden kann.

          Der erste Augenschein deutet auf unterschiedliche Strategien hin. Was in den beiden arabischen Ländern geschah, folgt bekannten Mustern: In Tunesien galt der Angriff wie in der Vergangenheit dem Tourismus, einer wichtigen Einnahmequelle des Landes; in Kuweit war es, wie zuvor in Saudi-Arabien, konfessioneller Mord. In Frankreich dagegen sieht es nach einem Novum aus. Hier sollte womöglich eine Explosion in einer Gasfabrik herbeigeführt werden, was es so noch nicht gab. Dass zugleich noch ein Unschuldiger enthauptet wurde, zeigt, dass die Methoden, die von den Hinrichtungsvideos des IS bekannt sind, nun nach Europa gebracht werden. Der Salafismus wird uns noch lange in Atem halten.

          Tunesische Sicherheitskräfte nach dem Anschlag in Sousse
          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

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