https://www.faz.net/-gpf-84zv5

Kommentar : Blutiger Freitag

  • -Aktualisiert am

Das Projektil eines Schnellfeuergewehrs hat Tür des Marhaba Hotels im tunesischen Port El Kantaoui durschlagen. Dahinter Überlebende des Anschlags. Bild: dpa

Ob die drei Anschläge in Tunesien, Frankreich und Kuweit zusammenhängen, ist unklar. Aber alle drei sind Belege dafür, dass sich der gewalttätige Islamismus derzeit nicht auf den Schlachtfeldern des Iraks und Syriens binden lässt.

          Die drei Anschläge vom Freitag haben vielleicht nicht direkt etwas miteinander zu tun, denn sie fanden an weit entfernten Orten statt und richteten sich gegen ganz unterschiedliche Ziele: In Tunesien wurden Touristen angegriffen, in Frankreich eine Fabrik, in Kuweit eine Moschee. Aber alle drei sind Belege dafür, dass sich der gewalttätige Islamismus derzeit nicht auf den Schlachtfeldern des Iraks und Syriens binden lässt.

          Der „Islamische Staat“ hat sich zunächst nur zu der Tat in Kuweit bekannt, aber ohne Zweifel spielt er auch in den anderen beiden Fällen eine Rolle. Das selbsternannte Kalifat ist für Salafisten in vielen Ländern zur wichtigsten Inspirationsquelle, teils sogar zum regelrechten Verbündeten geworden. „Al Qaida“, sein Vorgänger und Rivale, hat das nie in gleichem Maß geschafft. Das dürfte viel damit zu tun haben, dass der IS mit einem eigenen Territorium und einem Heilsversprechen lockt, das schon im Diesseits konsumiert werden kann.

          Der erste Augenschein deutet auf unterschiedliche Strategien hin. Was in den beiden arabischen Ländern geschah, folgt bekannten Mustern: In Tunesien galt der Angriff wie in der Vergangenheit dem Tourismus, einer wichtigen Einnahmequelle des Landes; in Kuweit war es, wie zuvor in Saudi-Arabien, konfessioneller Mord. In Frankreich dagegen sieht es nach einem Novum aus. Hier sollte womöglich eine Explosion in einer Gasfabrik herbeigeführt werden, was es so noch nicht gab. Dass zugleich noch ein Unschuldiger enthauptet wurde, zeigt, dass die Methoden, die von den Hinrichtungsvideos des IS bekannt sind, nun nach Europa gebracht werden. Der Salafismus wird uns noch lange in Atem halten.

          Tunesische Sicherheitskräfte nach dem Anschlag in Sousse
          Nikolas Busse

          Verantwortlicher Redakteur für die Frankfurter Allgemeine Woche und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik (F.A.Z.).

          Folgen:

          Weitere Themen

          Neues Referendum bei No-Deal-Brexit Video-Seite öffnen

          Schottland droht : Neues Referendum bei No-Deal-Brexit

          Schottland hat für den Fall eines No-Deal-Brexits ein Unabhängigkeitsreferendum angekündigt. „Wir sollten dies dann 2020 ins Auge fassen“, sagte Sturgeon am Mittwoch bei einem Besuch in Berlin.

          Der Unbekannte

          John Boltons Nachfolger : Der Unbekannte

          Donald Trump hat Robert O’Brien als Nationalen Sicherheitsberater vorgestellt: Der aus Los Angeles stammende Anwalt beriet bereits Mitt Romney im Wahlkampf und ist als konservativer Kritiker Obamas zu verorten. Ein Porträt.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.