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Kommentar : Bittere Wirklichkeit

Ein jüdischer Junge verlässt eine Berliner Schule wegen antisemitischer Angriffe. Geschichten wie diese prägen den Eindruck vieler Menschen, dass etwas falsch läuft. Auch wenn das nur ein Teil der Wirklichkeit ist.

          Warum haben viele Leute in Deutschland das Gefühl, dass ihre Wirklichkeit ganz und gar nicht die Wirklichkeit ist, die in „den“ Medien als solche dargestellt wird? Es hat mit Kleinigkeiten des Alltags zu tun, und oft sind es Geschichten, die Kinder aus der Schule mitbringen.

          Jasper von Altenbockum

          Verantwortlicher Redakteur für Innenpolitik.

          Zum Beispiel, dass sie keine Salami mehr essen wollen, weil Schweinefleisch nur Schlappschwänze essen. Oder dass sie mal wieder vermöbelt wurden, nur weil sie zu den „Ungläubigen“ gehören. Solche Geschichten passen nicht in eine Kultur, die glaubt, Integration sei eine Sache kurzfristiger Verwaltung und bestehe aus Friede, Freude und viel Eierkuchen. Opfer dieser Schönfärberei sind nicht etwa die Einwanderer, die sich so gerne als solche fühlen.

          Opfer sind vielmehr Schüler wie der jüdische, der eine Berliner Schule jetzt verlassen hat, weil seine Eltern fürchten mussten, dass er nicht mehr heil nach Hause kommt. Vielen anderen Schülern wird es ähnlich ergehen. Das ist nicht die ganze Wirklichkeit. Aber es ist die Wirklichkeit, die für viele zur einzig wahren wird, wenn anscheinend niemand sie sehen oder hören will.

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