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Waffenstillstand in Kolumbien : Der erste Tag nach langer Nacht

  • -Aktualisiert am

Historischer Handschlag mit Castro: Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos (links) und Farc-Kommandeur Rodrigo Londono in Havanna Bild: Reuters

Die Übereinkunft von Havanna beendet den Krieg zwischen der kolumbianischen Regierung und den Farc. Doch einem dauerhaften Frieden steht noch einiges im Weg.

          Die Vereinbarung über einen beidseitigen und unbefristeten Waffenstillstand in Kolumbien wurde von den Konfliktparteien wie von den internationalen Vermittlern in Havanna wahlweise als „letzter Tag des Krieges“ und als „erster Tag des Friedens“ gepriesen. Das ist aber nicht dasselbe. Denn ob das Land, das seit 1964 unter dem längsten Bürgerkrieg in Lateinamerika leidet, tatsächlich bald einen umfassenden Frieden erleben wird oder doch nur die Abwesenheit von einem offenen Krieg, wird sich erst in einigen Jahren zeigen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Immerhin spricht viel dafür, dass mit der Vereinbarung zur Waffenruhe zwischen den kolumbianischen Streitkräften und der marxistischen Farc-Guerrilla ein Meilenstein in den seit November 2012 laufenden Friedensverhandlungen erreicht ist, hinter welchen der komplexe und langwierige Verhandlungsprozess nicht mehr zurückfallen kann. Die selbsternannten „Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) hatten ihrerseits schon im Juli 2015 einen einseitigen Waffenstillstand erklärt. Daraufhin stellte die kolumbianische Luftwaffe ihre Luftangriffe auf Farc-Stellungen ein, das Heer und dessen Spezialeinheiten führten aber gelegentliche Kommandooperationen fort. Ungeachtet von mehr als zwanzig Verletzungen des Waffenstillstands auch durch die Farc selbst kam es in den Konfliktgebieten zu einer deutlichen Beruhigung der Lage.

          Blutvergießen: Dem längsten Bürgerkrieg Lateinamerikas sind über 220.000 Menschen zum Opfer gefallen.

          Dies war schon ein Vorgeschmack auf ein Ende des Krieges, das mit der Übereinkunft von Havanna nun dauerhaft Wirklichkeit werden soll. Die beiden Seiten einigten sich nicht nur auf eine beidseitige und definitive Waffenruhe sowie auf die Einstellung aller Feindseligkeiten. Die Farc sicherten außerdem zu, alle Waffen niederzulegen – und zwar „bis zur letzten Pistole“, wie Präsident Juan Manuel Santos versicherte, der sich zuletzt wachsender Kritik am schleppenden Verlauf der Verhandlungen und an den weitgehenden Zugeständnissen seiner Regierung ausgesetzt sah. Die Regierung in Bogotá garantiert für die Sicherheit der demobilisierten Farc-Guerrilleros, deren Stärke auf noch 7000 bis 8000 Kämpfer geschätzt wird. Beide Seiten verpflichten sich zum Kampf gegen kriminelle Organisationen, die für Morde, Massaker und Angriffe auf Menschenrechtsaktivisten und Vertreter sozialer Bewegungen verantwortlich sind. Die Regierung sichert zu, den Kampf gegen die Nachfolgeorganisationen demobilisierter rechter Paramilitärs zu forcieren; diese haben sich vielerorts zu Verbrecherkartellen entwickelt, die durch Drogenanbau und Schmuggel sowie durch illegales Goldschürfen riesige Gewinne erzielen. Schließlich wurde allgemein vereinbart, dass beide Seiten gegen kriminelle Handlungen vorgehen wollen, die die Durchsetzung der Vereinbarungen von Havanna bedrohen.

          Die Verhandlungen, die von den Garantiemächten Kuba und Norwegen sowie als Beobachternationen von Bolivien und Chile begleitet wurden, waren in sechs Themenbereiche untergliedert. In den Bereichen Agrarreform und ländliche Entwicklung, politische Partizipation der einstigen Farc-Führer sowie Kampf gegen Drogen konnten die Unterhändler schon 2013 weitgehende Einigungen erzielen. Der vierte Themenbereich, Ahndung von Kriegsverbrechen und Entschädigung der Opfer, konnte im vergangenen Jahr geklärt werden: Es wird eine Wahrheitskommission und eine Übergangsjustiz eingesetzt. Am meisten bleibt noch zu tun bei den Bereichen fünf und sechs zum Ende des Konflikts – und zur Implementierung der Vereinbarung.

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