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Kohl-Buch : Vertraulich

Eine Million für Helmut Kohl – weil Vertrauliches vertraulich bleiben muss. Davon leben gerade Autoren, die Missstände schonungslos aufdecken wollen.

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          So ist das, wenn man wegen der Verletzung von Geheimnissen klagt: Vor Gericht werden die dann erst recht öffentlich. Nun müssen ehemalige Ghostwriter Helmut Kohls und sein Verlag die Rekordsumme von einer Million Euro an den langjährigen Bundeskanzler zahlen. Und sie dürfen 116 angebliche Zitate etwa über Frau M. und deren Umgang mit Messer und Gabel sowie teils eher lustige, teils krasse Kennzeichnungen von einstigen Weggefährten oder Diplomaten („die Ar...vom Auswärtigen Amt“) nicht weiter verbreiten. Besteht daran nicht ein öffentliches, wenn auch eher voyeuristisches Interesse? Das wird man nicht bestreiten können.

          Aber wenn Vertraulichkeit zugesichert war, dann ist die Veröffentlichung der Bruch einer Abrede und eine Bloßstellung. Hier ging es zwar um ein Buchprojekt – doch hat die (noch nicht rechtskräftige) Entscheidung größere Bedeutung. Außer im Fall überragenden öffentlichen Interesses muss Vertrauliches vertraulich bleiben. Davon leben gerade Autoren, die Missstände schonungslos aufdecken wollen.

          Köln : Gericht spricht Kohl eine Million zu

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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