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Köthen-Kommentar : Wessen Karren?

Menschen stehen vor Blumen und Kerzen an einem Baum auf einem Spielplatz, in dessen Nähe die Auseinandersetzung stattfand. Bild: dpa

Chemnitz, Köthen – ein neues Muster? Natürlich kann sich jeder jedes Thema zu eigen machen. Aber jeder Bürger, so wie jeder Politiker, sollte sich auch überlegen, vor wessen Karren er sich spannen lässt.

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          Ein neues Muster? Auch in Köthen sind nach einer tödlichen Auseinandersetzung zahlreiche Bürger auf die Straße gegangen. Wie schon in Chemnitz gilt: Eine Versammlung braucht keine besondere Begründung, schon gar keine, die gefällt. Man kann aus Anlass einer Gewalttat Trauer für das Opfer bekunden und gegen die Migrations- und Ausländerpolitik demonstrieren – aber auch dagegen, dass ein Kriminalfall auf zum Teil schauerliche Weise instrumentalisiert wird.

          Jedenfalls darf eine offenkundig gut vernetzte Szene nicht die strafrechtliche Aufklärung und Verfolgung solcher Taten gleichsam vorwegnehmen und darüber hinaus auf der Straße Hass gegen Ausländer und das „System“ verbreiten oder sich gar ein anderes zurückwünschen.

          Es kann keine Rede davon sein, dass Gewalttaten und ihre Hintergründe unter den Teppich gekehrt und Opfer nicht gewürdigt würden – das gilt auch für Chemnitz. Natürlich kann sich jeder jedes Thema zu eigen machen. Aber jeder Bürger, so wie jeder Politiker, sollte sich auch überlegen, vor wessen Karren er sich spannen lässt.

          Reinhard Müller
          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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