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Klimakatastrophen der Urzeit : Das Leben und Sterben der Blaualge

Werden wir den Weg der Algen gehen? Bild: mauritius images / Science Sourc

Alles schon mal dagewesen: Vor ein paar Milliarden Jahren bekam die erfolgreichste Gattung der Erde ihre Abgase nicht in den Griff. Es folgte ein Weltuntergang.

          6 Min.

          Als die Erde halb so alt war wie heute, lebten die Blaualgen in einem warmen Ozean. Man hätte sie für die Krone der Schöpfung halten können, wenn sie ihre Welt nicht zerstört hätten. Doch sie wussten nicht, was sie taten. Als feine Fädchen trieben sie friedlich im sonnendurchschienenen Wasser. Niemand fraß sie, denn das Fressen war noch nicht erfunden.

          Konrad Schuller

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Die Erde hatte damals schon harte Zeiten durchgemacht. Einmal wäre es beinahe aus gewesen mit ihr. Soweit wir wissen, ist sie in ihren ganz jungen Jahren von einem durchs All taumelnden Himmelskörper namens Theia gerammt worden – etwa so, wie manche das aus Lars von Triers apokalyptischem Film „Melancholia“ kennen. Theia war mehr als nur irgendeine Sternschnuppe. Sie war vielleicht so groß wie der Mars, also nur wenig kleiner als die Erde. Der Treffer war deshalb ungeheuer wuchtig. Er drang wohl bis in den Kern, und in der Hitze der Kollision leuchteten die verschmelzenden Planeten auf wie eine Glühbirne. Wellen aus verdampftem Gestein schwappten in den Weltraum. Später sammelten die Spritzer sich in der Umlaufbahn, erstarrten und bildeten einen schönen runden Tropfen: den Mond.

          Dann vergingen Äonen. Nach dem Einschlag war die Erde wahrscheinlich erst mal ein heißer, basaltschwarzer Ball. Als er dann abkühlte, zeigte sich, dass die Katastrophe auch ihr Gutes hatte. Die Erde war vermutlich nicht mittig getroffen worden, sondern etwas seitlich, so dass sie sich jetzt schnell um ihre Achse drehte wie eine scharf angeschnittene Billardkugel. So entstand die Folge von Tag und Nacht. Der Vorteil davon war, dass es nun nicht mehr nur die Wahl zwischen einer Eis- und einer Glutseite gab wie heute noch beim viel langsamer rotierenden Mond, sondern gemäßigtes Wetter überall. Außerdem hatte Theia möglicherweise zum Teil aus Eis bestanden. So brachte sie einiges von dem Wasser auf die Erde, in dem sich später die ersten Organismen bildeten. Der Weltuntergang der Urzeit könnte damit am Ende eine Voraussetzung für unser heutiges Leben geworden sein.

          Eine phänomenale biotechnologische Neuerung

          Der Ozean der Blaualgen entstand trotzdem erst viel später. In der Hitze der großen Kollision war alles Wasser verkocht, und so bestand die Atmosphäre der jungen Erde über lange Zeit größtenteils aus Dampf. Erst als das Klima abkühlte, begann es zu regnen. Es regnete über unausdenkliche Zeit. Nicht vierzig Tage wie in der Sintflut, sondern vielleicht vierzigtausend Jahre und mehr. In den Senken sammelte sich das Meer. Höher entwickelte Tiere und Pflanzen gab es noch nicht, aber immerhin entstanden erste Einzeller mit einfachen Bauplänen.

          Einige dieser Arten gediehen besonders gut: die Vorläufer der Blaualgen. Eine Variante von ihnen hatte eine phänomenale biotechnologische Neuerung vollzogen. Es ging dabei um ein Problem, das bis heute jeder von uns jeden Tag lösen muss: Alles Lebendige braucht Energie. Menschen holen sie sich aus Brot und Käse, Kühe aus Gras. Gras braucht Wasser, fruchtbaren Boden und Sonne. Auf die Sonne läuft dabei alles hinaus, und in den Blaualgen hatte sich diesbezüglich ein völlig neuartiges Verfahren entwickelt, durch das sie mit Hilfe von Sonnenlicht Energie gewannen: die Photosynthese. Die hatte es zwar schon seit einiger Zeit gegeben, und auch andere Bewohner des Ozeans nutzten sie. Aber ihre Mechanik war altertümlich und ineffizient.

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