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Klimaforscher im Gespräch : „Ich plädiere für eine Allianz der Willigen“

Zweifelhafte Verhandlungsergebnisse: Demonstrantin in Madrid Bild: AP

Seit einem Vierteljahrhundert kommen die Länder zu Klimakonferenzen zusammen. Haben die Konferenz etwas gebracht und wie geht es weiter mit dem Kampf gegen den Klimawandel? Im F.A.Z.-Gespräch erklärt der Klimaforscher Mojib Latif, warum es so schwer ist, gute Vorsätze umzusetzen.

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          Herr Latif, was halten Sie von Klimakonferenzen, und wie bewerten Sie den Ausgang der Konferenz Ende vergangenen Jahres in Madrid?

          Susanne Kusicke

          Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Ich habe den Klimakonferenzen schon länger skeptisch gegenübergestanden. Das war jetzt die 25. Weltklimakonferenz, das heißt also, seit einem Vierteljahrhundert kommen die Länder zusammen. Ich bin nun mal ein Mann der Zahlen und schaue mir an, was tatsächlich passiert, und wir haben Jahr für Jahr neue Höchstwerte bei den Treibhausgasemissionen. Was wir bisher gehört haben, waren wohlfeile Worte, aber getan wurde so gut wie nichts. Dann gab es 2015 den „großen Durchbruch“ in Paris. Ich habe auch das Pariser Klimaabkommen kritisiert, obwohl ich da ziemlich allein stand. In Paris haben die Länder zwar beschlossen, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, oder sogar auf 1,5 Grad, aber das Ganze basierte ja auf freiwilligen Maßnahmen. Jedes Land sollte auf den Tisch legen, was es bereit ist, freiwillig zu tun. Wenn man das dann zusammengezählt hat, landete man irgendwo bei drei Grad. Das heißt also, das Pariser Klimaabkommen war von vornherein so angelegt, dass das Ziel, das dort formuliert wurde, gar nicht erreicht werden konnte. In Madrid ging es dann darum, Wege zu finden, diese sogenannte Ambitionslücke zu schließen, sich also zu mehr zu verpflichten, aber es war für mich klar, dass das nicht passieren würde. So kam es dann auch. Nächstes Jahr in Glasgow soll mehr kommen. Ich bleibe skeptisch.

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