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Klaus Eierhoff : Der dreifache Ikarus

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Noch vor einem Monat schien die Welt für Klaus Eierhoff in Ordnung. Gutgelaunt präsentierte der Vorstandschef des luxemburgischen Konzerns Thiel Logistik der Presse vielversprechende Zahlen.

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          Noch vor einem Monat schien die Welt für Klaus Eierhoff in Ordnung. Gutgelaunt präsentierte der Vorstandschef des luxemburgischen Konzerns Thiel Logistik der Presse vielversprechende Zahlen. Binnen zwei Jahren hatte der drahtige Blondschopf einen Sanierungsfall in die Gewinnzone geführt und für das laufende Jahr eine weitere Gesundung in Aussicht gestellt. Doch nicht das erste Mal im Managerleben des promovierten Betriebswirts folgte auf den rasanten Höhenflug ein ebenso jäher Absturz: In der vorvergangenen Woche schockierte Eierhoff den Kapitalmarkt mit einer Gewinnwarnung - und wird nun bis zur Jahresmitte seinen Posten bei Thiel aufgeben.

          Seine Ambitionen sowie sein zupackender und konsequenter Führungsstil haben den 51 Jahre alten Manager schon zweimal sehr weit nach oben katapultiert - bei Karstadt und bei Bertelsmann. Nach seinen "Lehrjahren" bei Nixdorf in Paderborn und in der Geschäftsleitung von Bertelsmann in Gütersloh wurde Eierhoff vor 15 Jahren als Jungtalent für den Vorstand der Karstadt AG entdeckt. Dort erkannte er schon damals die Schwachpunkte, mit denen der Konzern heute noch zu kämpfen hat. So wollte er unrentable Warenhäuser schließen. Wohl nicht zuletzt wegen dieser schonungslosen Analyse wollte ihn Großaktionärin Madeleine Schickedanz 1997 auf den Posten des Vorstandschefs hieven. Doch der damalige Vorstandschef Walter Deuss roch den Braten, die Palastrevolte endete mit einem Rückzug Eierhoffs.

          Nach den Worten von Managerkollegen hat der ehrgeizige, aber nicht verbissene Eierhoff nachher gesagt, er habe Deuss niemals aus dem Amt drängen wollen. Doch er räumt ein, daß er schon immer ein Unternehmen als Vorstandschef führen wollte. Nachdem er sich bei Karstadt die Flügel verbrannte, kam seine enge Verbindung zu Thomas Middelhoff zum Tragen: Dieser holte ihn zurück zu Bertelsmann und übertrug ihm die Verantwortung für die defizitären Buchklubs. Doch hier verdiente er keinen Lorbeer, Erfolge blieben aus. Nach dem Abgang des Intimus Middelhoff war auch er nicht mehr zu halten.

          Nun folgt also der dritte Absturz des Ikarus Eierhoff. Im Gegensatz zu seiner Zeit bei Bertelsmann wirft ihm nun niemand vor, nicht von Erfolg gekrönt zu sein. Im Gegenteil, Beobachter bescheinigen dem verheirateten Vater einer schon erwachsenen Tochter, einen exzellenten Job gemacht zu haben. Dem zupackenden Manager gelang es, harte Sanierungsschritte durchzusetzen und dabei gleichzeitig die Belegschaft zu motivieren. Dies schaffte er nicht zuletzt dadurch, daß er den Vorstand bei den Kostenkürzungen nicht außen vor ließ: Firmenjet und Vorstandsfahrer wurden abgeschafft, und als in der Holding die Belegschaft drastisch reduziert wurde, verringerte er auch den Vorstand von fünf auf drei Personen. "Er war intern sehr respektiert", heißt es aus dem Unternehmen.

          Gehen wird er dennoch, offenbar weil sich Großaktionär Stefan Quandt mehr in das Geschäft einmischen wollte, als Eierhoff lieb war. Einen Kompromiß zu finden war nicht möglich. Einen Strich durch die Rechnung gemacht hat dem Schnelldenker wohl auch sein großer Ehrgeiz. "Niemand hat ihn gezwungen, eine derart optimistische Gewinnprognose abzugeben", heißt es in Branchenkreisen.

          Nach dem Abgang Ende Juni könnte sich Eierhoff seinen Steckenpferden widmen: neben der Insel Sylt und der Geschichte der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts ist dies sein quirliger Terrier. Doch nur damit wird es das Stehaufmännchen Eierhoff nicht lange aushalten. "Ihm kann man noch eine Menge zutrauen", sagt ein Beobachter. Daß ihn sein Wegbegleiter Middelhoff auf den Chefsessel bei Karstadt hievt, gilt trotz stets aufkeimender Gerüchte als unwahrscheinlich. Doch vielleicht holt ihn Middelhoff dennoch wieder zu sich: Schließlich ist er nicht nur Aufsichtsratschef bei Karstadt, sondern auch Partner bei der Beteiligungsgesellschaft Investcorp.

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