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Kirchenkritik an von der Leyen : „Völlig verfehlt und ideologiegeleitet“

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Hartnäckiger Kritiker von der Leyens: Bischof Mixa Bild: ddp

Pünktlich zum Osterfest meldet sich der schärfste Kritiker der Familienministerin zurück: Der Augsburger Bischof Mixa wirft Ursula von der Leyen vor, sie betreibe Familienpolitik im Geiste der DDR und bediene überholte feministische Forderungen.

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          Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen stößt mit ihren Plänen für einen Ausbau der Kinderbetreuung weiter auf massive Kritik aus den Reihen der Katholischen Kirche. Die Ministerin verfolge eine Politik nach dem Vorbild der DDR, die „gesellschaftspolitisch völlig verfehlt und in hohem Maße ideologiegeleitet“ sei, sagte der Augsburger Bischof Walter Mixa der „Passauer Neuen Presse“ vom Samstag. Von der Leyens Pläne seien zudem „zutiefst unsozial und familienfeindlich“.

          Die Berufstätigkeit einer Minderheit von Müttern werde zu Lasten der selbst erziehenden Familien subventioniert. So fördere die Ministerin einseitig die Bedürfnisse einer gehobenen Mittelschicht. „Frau von der Leyen hat die Berufstätigkeit von Müttern zu einem ideologischen Programm erhoben und dient mit diesem Weg vor allem der Rekrutierung junger Mütter als Fachkräfte für die Industrie“, bekräftigte Mixa seine harsche Kritik der vergangenen Wochen. Mit dem Ziel einer über 70-prozentigen Berufstätigkeit von Müttern bediene die Ministerin darüber hinaus vor allem veraltete feministische Forderungen aus den siebziger Jahren.

          Auch der oberste Abt des Benediktinerordens, Notker Wolf, kritisierte die Pläne der Familienministerin als eine Wiederkehr von DDR-Verhältnissen. „Wir sollten uns davor hüten, den Wert der Familie in Frage zu stellen“, sagte Wolf der „Welt am Sonntag“. „Offenbar zählt eine Frau nur etwas, wenn sie wie ein Mann arbeitet und nicht wie eine Mutter für ihr Kind sorgt.“

          Von der Leyen hatte sich mit ihren Kollegen aus den Ländern und mit den kommunalen Spitzenverbänden geeinigt, in den nächsten sechs Jahren die Zahl der Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren auf 750.000 zu verdreifachen. Dann soll es für jedes dritte Kleinkind einen Platz geben. Die Finanzierung der Kosten, die in der Spitze bei drei bis vier Milliarden Euro im Jahr liegen sollen, ist noch offen. Am 16. April will von der Leyen im Koalitionsausschuss ein Finanzkonzept vorlegen.

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