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Kirche und Sexualität : Am Ende versöhnen sich alle (hoffentlich)

  • -Aktualisiert am

Die Bischofssynode hat begonnen und wird bis zum 25. Oktober dauern. Bild: dpa

Ein scharfer Richtungsstreit über Ehe und Sexualität vergiftet das Klima in der katholischen Kirche. Gekämpft wird mit harten Bandagen. Die Bischofssynode im Vatikan soll den Streit jetzt schlichten.

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          Der Zufall (alias: Gott) will es, dass ausgerechnet heute in jedem katholischen Gottesdienst rund um die Welt genau diese Worte vorgelesen werden: „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Ehen, so die traditionelle Deutung der Worte Jesu im Markusevangelium, die der liturgische Kalender für diesen Sonntag vorsieht, werden im Himmel geschlossen; eine Scheidung ist nicht vorgesehen.

          Gilt das auch heute noch? Lässt sich eine solche Vorstellung überhaupt noch vermitteln, wenn in manchen Ländern fast jede zweite Ehe geschieden wird? Das ist einer der zentralen Streitpunkte bei der Familiensynode, die Papst Franziskus ab heute einberufen hat – kein Konzil und kein Kirchenparlament, aber doch ein Ort der Meinungsbildung und der Grundsatzdebatten unter 400 Kardinälen, Bischöfen, Theologen und Laien.

          Eröffnungsgottesdienst im Petersdom
          Eröffnungsgottesdienst im Petersdom : Bild: dpa

          Der Streit wird nicht erst beginnen, wenn die feierlichen Rituale zur Eröffnung des dreiwöchigen Treffens im Vatikan abgeschlossen sind. Er hat längst begonnen, und er wird mit Härte und Entschlossenheit ausgetragen, mit Resolutionen und Unterschriftensammlungen, mit geheimen Treffen in kleinen Zirkeln, manchmal aber auch in aller Öffentlichkeit. Und man ist nicht zimperlich. Da ruft dann schon einmal ein gestandener Kurienkardinal wie Josef Cordes dem Münchner Mitbruder Reinhard Marx zu, seine Sprüche gehörten ja wohl „eher an den Stammtisch“. Und Marx belehrt den Vatikan, die deutsche Kirche sei ja schließlich „keine Filiale Roms“. Längst ist der scharfe Richtungsstreit auf allen kirchlichen Ebenen angekommen und vergiftet mancherorts das Klima. Viele Bischöfe haben Angst, die Synode könnte zur weiteren Polarisierung beitragen. Andere warnen gar vor einer Spaltung der Kirche – vor allem für den Fall, dass ihre eigenen Forderungen nicht erfüllt werden.

          Zwischen Tradition und Moderne

          Nicht ohne Grund beklagte der Freiburger Erzbischof Stephan Burger wenige Tage vor Beginn der Synode die „Unversöhnlichkeit“ der beiden Lager, die einander misstrauisch und mitunter geradezu feindselig gegenüberstehen. Die einen, so Burger, werfen den anderen Verrat am Glauben vor und werden im Gegenzug selbst mit dem Vorwurf überzogen, ihnen fehle jeder Respekt vor dem Gewissen des Einzelnen. Genau das sind die Eckpunkte der Debatte: Soll die Kirche die Entscheidung des Einzelnen, etwa für eine homosexuelle Partnerschaft oder für eine Scheidung und eine neue Ehe, respektieren, gutheißen, segnen? Oder soll sie an der überlieferten Lehre der Unauflöslichkeit der Ehe (zwischen einem Mann und einer Frau) festhalten, auch wenn diese Lehre immer unpopulärer wird? Und wie lässt sich womöglich beides zusammenführen?

          Washington : Papst trifft schwules Paar

          In den letzten Tagen machte in Kirchenkreisen das sperrige Wort „Erwartungsmanagement“ die Runde. Dahinter steckt die Sorge, dass die Synode unter keinen Umständen die hohen Erwartungen gerade der deutschen Öffentlichkeit erfüllen wird. Eine Segnungsfeier für homosexuelle Paare ist genauso ausgeschlossen wie die kirchliche Anerkennung einer zweiten Ehe oder die Billigung künstlicher Empfängnisverhütung, auch wenn es in Deutschland viele Kirchenmitglieder gibt, die dergleichen für „zeitgemäß“ halten. Aber was genau kann dann überhaupt am Ende der Synode stehen?

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