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Vatikan : Regeln für Kampf gegen Missbrauch angekündigt

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Treffen im Vatikan zum Thema Missbrauch Bild: dpa

Mehr als hundert Kardinäle aus aller Welt sind am Freitag im Vatikan erstmals zu Beratungen über den Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche zusammengekommen. Ein Rundschreiben mit Richtlinien an alle Bischöfe wurde angekündigt.

          Der Vatikan hat Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal angekündigt, der die katholische Kirche in den vergangenen Monaten weltweit erschütterte. An alle Bischöfe werde ein Rundschreiben mit Richtlinien für den Umgang mit Missbrauchsfällen ergehen, teilte der Vatikan am Freitag in Rom mit. Mehr als hundert Kardinäle aus aller Welt waren im Vatikan erstmals zu Gesprächen über den Umgang mit Missbrauchsfällen zusammengekommen.

          Das Schreiben werde Regeln für ein „koordiniertes und effizientes Programm“ im Kampf gegen sexuellen Missbrauch durch Geistliche enthalten, teilte der Vatikan mit. Geleitet wurde das Treffen vom Präfekten der Glaubenskongregation, dem amerikanischen Kardinal William Joseph Levada. Levada habe eine stärkere Zusammenarbeit mit zivilen Behörden bei Missbrauchsfällen angeregt und auf die Aufmerksamkeit hingewiesen, die bei der Auswahl und Ausbildung von künftigen Geistlichen angebracht sein müsse.

          Levada wies nach Angaben des Vatikans zudem darauf hin, dass es auch in den Ländern, in denen in der Vergangenheit keine Missbrauchsfälle „in der dramatischen Form“ wie anderswo bekannt geworden seien, Pläne zum Schutz von Minderjährigen geben müsse. Der Einladung von Papst Benedikt XVI. zu den Gesprächen waren mehr als die Hälfte der insgesamt 203 Kardinäle gefolgt.

          Kritik von Opfergruppen

          Ende 2009 war bekannt geworden, dass katholische Würdenträger in Irland jahrzehntelang Vergewaltigungen und Misshandlungen von Minderjährigen vertuscht hatten. Auch in Deutschland, den Vereinigten Staaten und anderen Ländern auf der ganzen Welt wurden zahlreiche Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern durch katholische Geistliche bekannt. Papst Benedikt XVI. hatte sich mehrfach für den Missbrauch entschuldigt und sich mit Opfern getroffen. Außerdem verschärfte der Vatikan bereits die Regeln für den Umgang mit Missbrauchsfällen, nach Einschätzung von Opferverbänden allerdings nicht ausreichend.

          In den Vereinigten Staaten kritisieren Opfergruppen Levadas Umgang mit den Skandalen. Der konservative Levada war früher Erzbischof von San Francisco. 2002 ging dort ein Priester mit Erfolg gerichtlich gegen das Erzbistum vor; er war nach eigener Aussage von der Kirche unter Druck gesetzt worden, weil er Annäherungsversuche eines offenbar pädophilen Priesters an einen Jugendlichen gemeldet hatte.

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