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Missbrauch in Ettal : Die Richtigen falsch behandelt?

Ende 2005 sah man Pater G. in Wechselburg, einem Wallfahrtsort im Bistum Dresden-Meißen. Dort hatten die Ettaler Benediktiner 1993 kurz nach der Wiedervereinigung eine Niederlassung gegründet und waren von den weit verstreut lebenden Katholiken in der sächsischen Diaspora dankbar begrüßt worden. Zu tun gab es für die Bayern in Sachsen genug, vom Aufbau und Betrieb eines Jugend- und Familienhauses bis zur Leitung der Pfarrei zum Heiligen Kreuz. Pater G., der sportliche und im Umgang mit Kindern und Jugendlichen versierte Neuzugang aus Ettal, war ein Gewinn.

Undurchdringliches Dickicht von Verdächtigungen

Dann kam der Januar 2010. Klaus Mertes, der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, wollte zu den sexuellen Verfehlungen einiger seiner Mitbrüder aus dem Jesuitenorden nicht länger schweigen. Seine Aufforderung an mehrere hundert ehemalige Schüler des Jesuitenkollegs, ebenfalls nicht länger zu schweigen, verhallte nicht ungehört. Ende Januar gingen die ersten Berichte über sexuelle Übergriffe auf Schüler des katholischen Vorzeigegymnasiums in Berlin durch die Presse. Bald richteten sich die Scheinwerfer auch auf Ettal, das größte Benediktinerkloster in Bayern, in dem seit Generationen Jungen zur Schule gegangen und mit dem Abitur Mitglied eines ebenso karrierefördernden wie prestigeträchtigen Netzes von Alt-Ettalern geworden waren.

Als habe der schützende Zauber aus zeitlosem Renommee, Diskretion von Schülern und Eltern und Selbsterhaltungstrieb der Mönchsgemeinschaft einschließlich ihrer vom Kloster- und Wallfahrtsbetrieb lebenden Hintersassen seine Macht verloren, verwandelte sich die barocke Fassade des Klosters über Nacht in eine zynische Fratze. Ettal wurde zum Synonym brutaler Misshandlungen, sadistische Quälereien und auch von pädosexuellen Perversionen „maßgeblicher Patres gerade auch aus der Führungsebene“, so der auf Druck des Erzbistums München als externer „Sonderermittler“ tätige Rechtsanwalt Thomas Pfister in seinem Schlussbericht vom 11. April 2010.

Lange zurückliegende Untaten machten ebenso die Runde wie jüngst Erlebtes und verbanden sich zu einem von außen fast undurchdringlichen Dickicht von Verdächtigungen und Beschuldigungen. Mittendrin: zwei Mönche aus dem sächsischen Kloster Wechselburg, dem Ettaler Guantánamo. Einer davon: Pater G. Und der Münchner Erzbischof Reinhard Marx.

Kurzer Schockzustand

Im Winter 2008 hatte der gebürtige Westfale und vormalige Trierer Bischof Marx auf Geheiß von Papst Benedikt XVI. das Amt des Erzbischofs von München und Freising übernommen. Mit klerikalen Attributen wie Soutane und Zigarre kokettierend, vor allem aber ehrgeizig und karrierebewusst, so glaubte man Marx in München zu kennen. Bis zum 23. Februar 2010.

Weil ein Missbrauchsverdacht gegen Pater G. im Jahr 2005 nicht gemeldet und damit eine unabhängige Voruntersuchung verhindert wurde, der Geistliche dann versetzt und umgehend wieder mit Aufgaben betraut wurde, die ihn wieder mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt brachten, reagierte Marx. Unter dem Druck des Münchner Erzbischofs trat Abt Barnabas von seinem Amt zurück. Auch Pater Maurus, der Prior des Klosters und Leiter des Benediktinergymnasiums, stellte umgehend seine Ämter zur Verfügung. Da hatte die Staatsanwaltschaft München II von Amts wegen Ermittlungen wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Pater G. aufgenommen. Ein anderer Ordensmann hatte sich wegen Besitzes von Kinderpornographie vorsorglich selbst angezeigt.

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