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Kommentar : Nicht mit Mixa

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Dass zwei Bischöfe einen dritten auffordern, sich - zunächst für eine Weile - aus seinem Amt zurückzuziehen, war ein Tabubruch. Er hat seine Wirkung nicht verfehlt, Bischof Mixa bietet seinen Rücktritt an. Doch die Bischöfe haben nicht nur in Deutschland noch einen weiten Weg vor sich. Ein Kommentar von Daniel Deckers.

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          Es kommt nicht alle Tage vor, dass Bischöfe öffentlich übereinander sprechen. Noch seltener geschieht es, dass sie öffentlich nicht gut übereinander reden. Dass am Mittwoch zwei Bischöfe einen dritten aufforderten, sich - zunächst für eine Weile - aus seinem Amt zurückzuziehen, war ein Tabubruch. Er hat seine Wirkung nicht verfehlt.

          Es ging um viel. Der Augsburger Bischof Mixa stand längst nicht mehr nur im Verdacht, als Pfarrer vor Jahren gegenüber Kindern handgreiflich geworden zu sein. Mindestens so schwer wogen und wiegen die gut dokumentierten Vorhaltungen, er habe ebenfalls als Pfarrer Gelder einer Waisenhausstiftung in einer Weise zweckentfremdet, die ein - zurückhaltend ausgedrückt - schräges Licht auf seine Lebensführung wirft. Nach fast fünfzehn Jahren hat Mixa dieser Teil seiner Vergangenheit eingeholt - doch nur, um sich so lange einer Aufklärung zu verweigern, bis der Druck übermächtig wurde.

          Ein überfälliges Zeichen der Besinnung

          Damit illustrierte Mixa jene nicht seltene Haltung kirchlicher Amtsträger, die der Trierer Bischof Ackermann am Mittwoch mit den Worten vom fehlgeleiteten Hunger nach Nähe und Macht beschrieb. An diesem Punkt kamen Erzbischof Zollitsch und der Münchner Erzbischof Marx ins Spiel. Auch ihnen ist die Kategorie Macht nicht fremd. Im Februar 2008 unterlag Marx dem Freiburger in der Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz.

          Wortgleich setzten sie nun ein längst überfälliges Zeichen der Besinnung in der katholischen Kirche in Deutschland. Am Freitag wird der Runde Tisch gegen sexuellen Missbrauch seine Arbeit aufnehmen. Am Montag wollen die Bischöfe über eine Fortschreibung ihrer Leitlinien zum Umgang mit Fällen sexuellen Missbrauchs in der Kirche beraten. Nicht mit Mixa. Der Sache wie seinem Verhalten nach war der Augsburger Bischof eine Hypothek, die jede Bekundung der Bischöfe unglaubwürdig gemacht hätte, sie übernähmen für das Geschehene die Verantwortung und wollten das Gebaren der Institution angesichts möglicher Verfehlungen ihrer Mitglieder transparenter machen.

          Zollitsch und Marx haben mit ihrem Wort an Mixa die Flucht nach vorne angetreten. Dessen Rücktrittsgesuch war nur noch eine Frage der Zeit. Doch das kann nicht das Ende sein. Stimmt das Wort des heiligen Augustinus: „Für euch bin ich Bischof, mit euch Christ“, dann haben viele Bischöfe noch einen weiten Weg vor sich.

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