https://www.faz.net/-gpf-xrcx

Blasphemiegesetz : Pakistan weist Kritik des Papstes zurück

  • Aktualisiert am

Papst Benedikt XVI. hatte die pakistanische Regierung aufgerufen, das Blasphemiegsetz aufzuheben. Bild: dpa

Papst Benedikt XVI. hatte das pakistanische Blasphemiegesetz kritisiert - Pakistans Islamisten bezeichneten dies nun als „offene Einladung zum Zusammenprall der Kulturen“. Ministerpräsident Gilani verwahrte sich gegen Versuche, das Gesetz zu verändern.

          Die Kritik Papst Benedikts XVI. am pakistanischen Blasphemiegesetz ist von Islamisten als „offene Einladung zum Zusammenprall der Kulturen“ bezeichnet worden. Der Generalsekretär der pakistanischen Partei „Jamaat-e-Islami“, Liaquat Baloch, sprach am Dienstag von einer „Einmischung in interne und religiöse Angelegenheiten“. Laut der pakistanischen Nachrichtenagentur APP qualifizierte er die Äußerung des katholischen Kirchenoberhaupts als Vorlage, „um die ganze Welt in einen blutigen Krieg zu stürzen“.

          Benedikt XVI. hatte am Montag in Rom bei seinem traditionellen Neujahrsempfang für die Diplomaten am Heiligen Stuhl die pakistanische Regierung dazu aufgerufen, das Gesetz aufzuheben - „umso mehr, als es offensichtlich als Vorwand dient, um Ungerechtigkeit und Gewalt gegen die religiösen Minderheiten zu provozieren“.

          Das seit langem geltende Blasphemiegesetz war in die Diskussion geraten, nachdem die pakistanische Christin Asia Bibi im November wegen angeblich abfälliger Bemerkungen über den Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden war. Die Debatte erhitzte sich, als der Gouverneur des Bundesstaates Punjab, Salman Taseer, in der vergangenen Woche von einem Leibwächter erschossen wurde. Der Täter gab vor Gericht an, dass er Taseer wegen dessen Einsatzes gegen das Blasphemiegesetz getötet habe.

          Betende Pakistaner auf dem Mittelstreifen einer Straße vor Islamabad

          Gilani will Blasphemiegesetz nicht verändern

          Zehntausende gingen in den vergangenen Tagen auf die Straße, um ihre Unterstützung für den Attentäter zu bekunden, während es in der liberalen Presse auch andere Stimmen gab. In seiner Neujahrsansprache hatte der Papst gesagt, der „tragische Mord am Gouverneur der Provinz Punjab“ zeige, wie dringend eine Aufhebung des Blasphemiegesetzes sei. „Die Verehrung Gottes fördert Brüderlichkeit und Liebe, nicht Hass und Entzweiung“, sagte Benedikt XVI.

          Der pakistanische Ministerpräsident Jusuf Gilani verwahrte sich gegen Versuche, das Blasphemiegesetz zu verändern. Er habe dies immer „kategorisch ausgeschlossen“, sagte nach einem Gespräch mit dem einflussreichsten Islamisten Pakistans, Fazlur Rahman, dessen Partei Partner in der Regierungskoalition ist. Derweil sagte der künftige Führer der Pakistanischen Volkspartei PPP, Bilawal Bhutto, den religiösen Minderheiten Schutz zu.

          Bilawal Bhutto war nach dem Mord an seiner Mutter, Benazir Bhutto, zum Vorsitzenden der PPP bestimmt worden, hatte das Amt aber zunächst wegen seines andauernden Studiums an seinen Vater, den heutigen Präsidenten Asif Ali Zardari abgetreten. Auf einer Trauerfeier zu Ehren Taseers sagte er in London, dass jene, die den Mord unterstützten, die „wahren Blasphemisten“ seien. Wer die friedliche Botschaft des Islams korrumpiere, werde in die Knie gezwungen, kündigte Bilawal an. „Dies wird unser Dschihad sein“, sagte er.

          Weitere Themen

          G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete Video-Seite öffnen

          Noch keine konkreten Maßnahmen : G7-Gipfel einigt sich auf Hilfe für Amazonas-Brandgebiete

          Ungeachtet anhaltender Spannungen in wichtigen politischen Fragen haben sich die G7-Staaten bei ihrem Gipfel in Biarritz auf einen gemeinsamen Gegner einigen können: die Feuer im Amazonasgebiet. Die sieben westlichen Industriestaaten seien überein gekommen, den betroffenen Staaten „so schnell wie möglich“ Unterstützung zukommen zu lassen, sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

          Topmeldungen

          Es ist das erste Mal, dass Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel ausrichtet.

          G-7-Gipfel : Wer reden will, soll ruhig reden

          In Biarritz inszeniert Emmanuel Macron einen G-7-Gipfel voller Überraschungen. Er überrumpelt Trump und lässt den iranischen Außenminister einfliegen. Ganz offensichtlich hat der französische Präsident aus seinem Anfängerfehler gelernt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.