https://www.faz.net/-gpf-15juu

Kindesmissbrauch : Die Kirche muss ehrlich sein

Die Abgründe, die sich mit der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs an Jesuitenschulen aufgetan haben, machen schaudern. Selbst guten Katholiken fällt es in diesen Tagen schwer, sich so zur Kirche zu bekennen, wie sie es gewohnt sind.

          1 Min.

          Selbst guten Katholiken fällt es in diesen Tagen schwer, sich so zur Kirche zu bekennen, wie sie das im Credo zu tun gewohnt sind. Die Abgründe, die sich mit der Aufdeckung zahlreicher Fälle sexuellen Missbrauchs von Jungen an Jesuitenschulen aufgetan haben, machen schaudern. Und es sind nicht nur die Schandtaten allein, es ist auch das jahrelange Vertuschen, die Verhöhnung der Opfer, die einen sprachlos macht.

          Natürlich ist die Kirche, die „Braut Christi“, auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, ihr Personal von den gleichen Nöten geplagt wie wir alle. Aber es hilft wenig, wenn man sich klarmacht, dass Kinder und Jugendliche auch in Familien, Vereinen, gewöhnlichen Schulen missbraucht, gequält werden.

          Offenheit reicht nicht

          Ein Jesuit hat den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Das war überfällig. Das Tabu scheint damit gebrochen, und die bekanntgemachten Fälle waren wohl wirklich nur die „Spitze des Eisberges“, wie der Rektor des Canisius-Kollegs sagte, denn beinahe täglich kommen neue Fälle aus der Vergangenheit ans Licht. Dass man endlich darüber spricht, wird den Opfern eine späte Genugtuung sein, auch wenn eine strafrechtliche Verfolgung wegen der Verjährung nicht mehr in Frage kommt. Hoffentlich könnten nun auch die seelischen Wunden heilen.

          Aber Offenheit reicht nicht. Die Kirche muss den Willen zur Ehrlichkeit haben. Sexualität ist allgegenwärtig, niemand kann ihr ausweichen, auch Kinder nicht. Die Kirche hat dagegen ihr Verständnis von Sexualität als verantwortlicher Liebe gesetzt. Glaubhaft kann sie darin aber nur sein, wenn sie sich selbst reinigt, dabei noch genauer schaut, wen sie für reif hält, seelsorgerische Verantwortung zu tragen, und auch den strukturellen Gründen der Misere beikommt. Auch über den verpflichtenden Zölibat muss man unter diesem Gesichtspunkt nachdenken.

          Richard Wagner

          Verantwortlicher Redakteur für Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Wir sind im Krieg mit diesem Virus“

          Joe Biden : „Wir sind im Krieg mit diesem Virus“

          Der künftige amerikanische Präsident Biden tritt sein Amt zu einer Zeit an, in der die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten wilder tobt denn je. Die Impfung der Bevölkerung kommt nur schleppend voran. Biden präsentiert nun Pläne, wie er das ändern will.

          Topmeldungen

          Bald offiziell Amerikas Präsident: Joe Biden

          Joe Biden : „Wir sind im Krieg mit diesem Virus“

          Der künftige amerikanische Präsident Biden tritt sein Amt zu einer Zeit an, in der die Corona-Pandemie in den Vereinigten Staaten wilder tobt denn je. Die Impfung der Bevölkerung kommt nur schleppend voran. Biden präsentiert nun Pläne, wie er das ändern will.
          Bundeskanzlerin Angela Merkel und Generalsekretär Paul Ziemiak beim digitalen Parteitag der CDU am Freitagabend.

          CDU-Parteitag : Die Kanzlerin spart sich das Lob

          Zu Beginn des CDU-Parteitags gibt es viel Schulterklopfen für die scheidende Vorsitzende Kramp-Karrenbauer – nur Angela Merkel spricht lieber über ihre eigenen Leistungen. Und Markus Söder vom spannenden Aufstieg.
          Freundinnen: Luisa und Sophie wohnen zusammen in Frankfurt. Beide verdienen Geld mit Pornovideos, die sie selbst aufnehmen.

          Studentin in Geldnot : Pornos drehen für den Master

          Luisa besucht eine Hochschule im Rhein-Main-Gebiet und verkauft Sexvideos, um ihr Studium zu finanzieren. Sie sagt, das fühle sich dreckig an. Doch der Geldmangel habe sie dazu getrieben, und andere Nebenjobs sind ihr zu zeitaufwendig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.